Zwickauer Zelle

Brüder aus Chemnitz sollen NSU unterstützt haben

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Die rechtsextreme Zwickauer Terrorzelle hatte offenbar noch mehr Unterstützer als bisher angenommen. Zwei Brüder aus Chemnitz sollen dem Trio laut ARD-Magazin "Fakt" bei Wohnung und Reisepass geholfen haben.

Leipzig/Karlsruhe. Die rechtsextreme Zwickauer Terrorzelle hatte offenbar noch mehr Unterstützer als bisher angenommen. Wie das ARD-Magazin „Fakt“ am Dienstag berichtete, sollen die Brüder Gunter und Armin F. aus Chemnitz dem Neonazi-Trio unmittelbar nach dessen Abtauchen 1998 eine Unterkunft in der Stadt vermittelt haben. Einer der Brüder stehe zudem im Verdacht, dem Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt einen Reisepass beschafft zu haben, berichtete „Fakt“ unter Berufung auf einen Ermittlungsbericht.

In der zerstörten Wohnung des Trios in Zwickau sei ein Reisepass entdeckt worden, der auf den Namen Gunter F. ausgestellt ist. Das Foto des Dokuments zeige jedoch „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ Böhnhardt. Ausgestellt worden sei der Reisepass im Sommer 1998 vom Einwohnermeldeamt Chemnitz, wo sich auch Böhnhardts Komplize Uwe Mundlos mit Hilfe eines Kameraden echte Papiere habe erschleichen können.

In den Trümmern der Zwickauer Wohnung seien außerdem Bahncards auf den Namen Gunter F. entdeckt worden, die den Zeitraum von 1999 bis 2004 umfassen.

Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft lehnte auf dapd-Anfrage eine Stellungnahme dazu ab, ob gegen Gunter und Armin F. ermittelt wird. „Auskünfte darüber, ob gegen bestimmte Personen Ermittlungen geführt werden oder nicht, könnten den Untersuchungszweck gefährden und werden daher grundsätzlich nicht erteilt“, sagte sie. Gleiches gelte für die Frage, ob eine bestimmte Person in einem laufenden Ermittlungsverfahren vernommen wurde oder nicht.

Die beiden Brüder sollen 1998 als Quartiermacher des Trios aufgetreten sein. Nach „Fakt“-Recherchen werden Gunter und Armin F. durch eine Aussage von Mandy S. belastet, die als Unterstützerin beschuldigt werde. Sie habe den Ermittlern berichtet, die Brüder hätten sie damals in ihrer Chemnitzer Wohnung aufgesucht und gebeten, Kameraden unterzubringen, die „Scheiße gebaut“ hätten. Das Trio sei dann mehrere Monate in der Wohnung des damaligen Lebensgefährten von Mandy S. in Chemnitz-Altendorf untergekommen.

Armin F. wollte sich auf „Fakt“-Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern. Sein Bruder Gunter F. sei unter seiner aktuellen Meldeadresse nicht zu erreichen gewesen, hieß es.

Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen bildeten Böhnhardt, Mundlos und Beate Zschäpe die terroristische Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Die Gruppierung soll für neun Morde an Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft in den Jahren 2000 bis 2006, die Ermordung einer Polizistin in Heilbronn im April 2007 sowie die Bombenanschläge vom 19. Januar 2001 und vom 9. Juni 2004 in Köln verantwortlich sein. Böhnhardt und Mundlos waren am 4. November 2011 tot aufgefunden worden, Zschäpe sitzt in Untersuchungshaft.

(dapd/abendblatt.de)