Ex-Bundespräsident

Wulff-Ermittlungen sollen mindestens halbes Jahr dauern

Staatsanwaltschaft rechnet mit langen Untersuchungen wegen Verdachts der Vorteilsnahme. Bei der Behörde gingen Morddrohungen ein.

Hannover. Die Staatsanwaltschaft Hannover rechnet frühestens in einem halben Jahr mit einem belastbaren Zwischenbericht zu den Ermittlungen gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff. „Von sechs Monaten muss man schon ausgehen“, sagte Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Lendeckel am Montag in Hannover. Erst dann könne gesagt werden, in welche Richtung die Ermittlungen gehen würden. Dies beinhalte ausdrücklich auch die mögliche Entlastung Wulffs.

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Nach der Aufnahme der Ermittlungen gegen Wulff sind bei der Staatsanwaltschaft Morddrohungen eingegangen. Von anonymer Seite gehe diverse Hasspost bis hin zu Todesdrohungen ein, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Auf der anderen Seite erhalte die Behörde aber auch Fanpost.

Bei der niedersächsischen Staatskanzlei sowie dem Bundespräsidialamt hat die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben vergangene Woche weitere Akten angefordert. Nachdem die Ermittlungen aufgenommen werden konnten, sei das „Herausgabeersuchen“ an die beiden Häuser gegangen. Zum weiteren Ermittlungsstand wollte die Staatsanwaltschaft keine Angaben machen.

Wulff war am 17. Februar von seinem Amt zurückgetreten, nachdem die Staatsanwaltschaft Hannover einen Antrag auf Aufhebung von dessen Immunität gestellt hatte. Inzwischen ermittelt die Behörde wegen des Verdachts der Vorteilsannahme. Dabei geht es um die Beziehung Wulffs zu dem Filmunternehmer David Groenewold.

Am Montag betonten die Ermittler, dass lediglich ein Anfangsverdacht im Bezug auf den Fall Groenewold bestehe. Im Zusammenhang mit dem Privatkredit von Egon Geerkens an Christian Wulff für dessen Einfamilienhaus hatte die Staatsanwaltschaft zuvor einen Anfangsverdacht verneint. Nach Beschwerden prüft nun die Generalstaatsanwaltschaft in Celle, ob das Vorgehen der Kollegen aus Hannover richtig war. Eine Entscheidung steht noch aus.

Insgesamt vier Mitarbeiter arbeiten in der Korruptionsabteilung der Staatsanwaltschaft in Hannover. Allerdings befassen sich nicht alle gleichzeitig nur mit dem Fall Wulff, hieß es. Die Ermittler erhoffen sich deshalb weitere personelle Unterstützung. Auch die Ermittlungen gegen Wulffs ehemaligen Sprecher, Olaf Glaeseker, den Partyveranstalter Manfred Schmidt sowie Groenewold werden dort bearbeitet.

Gegen Glaeseker ermittelt die Behörde wegen Bestechlichkeit, weil er Gratisurlaube beim Partyveranstalter Manfred Schmidt verbrachte. Auch in diesem Fall würden die Ermittlungen etwa ein halbes Jahr dauern, hieß es. (dpa/dapd)