Jahresbericht 2011

Soldaten-Ehen: 80 Prozent enden in Scheidung

Die Bundeswehrreform hat nach Einschätzung des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus (FDP) die Stimmung in der Truppe deutlich eingetrübt. In fast allen Dienstgraden sei "eine schlechte Stimmung zu spüren", sagte Königshaus bei der Vorlage seines Jahresberichts 2011 in Berlin.

Berlin. Die Bundeswehrreform hat nach Einschätzung des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus (FDP) die Stimmung in der Truppe deutlich eingetrübt. In fast allen Dienstgraden sei "eine schlechte Stimmung zu spüren", sagte Königshaus bei der Vorlage seines Jahresberichts 2011 in Berlin. Zugleich bezeichnete er die Motivation der Soldaten als "gut" und die Leistungsbereitschaft als "hoch". Kritisch äußerte sich Königshaus zu Standortentscheidungen, den negativen Auswirkungen einer "Pendlerarmee" sowie Ausbildungs- und Ausrüstungsmängeln gerade in der Einsatzvorbereitung.

Königshaus rügte in seinem Bericht eine mangelnde Ausrüstung der Soldaten mit Waffen und Munition gerade in der Vorbereitung auf Auslandseinsätze, einen direkten Zusammenhang mit den sieben Schießunfällen 2011 verneinte er aber. Dennoch sei diese Zahl "beunruhigend". Ferner beklagte Königshaus die zum Teil extrem hohen Trennungs- und Scheidungsraten unter den Soldaten von bis zu 80 Prozent als Folge der häufigen Abwesenheit von zu Hause. Hier hätten vielleicht andere Standortentscheidungen Verbesserungen gebracht.

Schließlich kritisierte der Wehrbeauftragte mangelnde Fähigkeiten der Bundeswehr beim Lufttransport - besonders bei der medizinischen Luftrettung in Afghanistan. Zudem monierte er eine fehlende Ausrüstung der Soldaten bei der Minenräumung und Sprengfallenbeseitigung und den aus seiner Sicht falschen Ansatz bei der Anerkennung von posttraumatischen Belastungsstörungen. Nach seinen Angaben stieg die Zahl der seelischen Verwundungen im vergangenen Jahr auf 922 Fälle, davon sind 759 auf den Afghanistan-Einsatz zurückzuführen.

Ausdrücklich lobte er Verteidigungsminister Thomas de Maizière. Dem CDU-Politiker gebühre "Anerkennung und Lob", weil es ihm gelungen sei, "gewisse Freiräume" für die Bundeswehrreform zu schaffen. (dapd)