Schattenwirtschaft

In Deutschland wird immer weniger schwarz gearbeitet

Der Anteil der Schwarzarbeit am BIP wird 2012 rund 13,4 Prozent betragen. Illegaler Sektor bleibt trotzdem einer der größten Wirtschaftszweige.

Berlin. Laut einer aktuellen Studie sinkt der Anteil der Schwarzarbeit am wirtschaftlichen Gesamtumsatz in Deutschland. Aufgrund steigender Beschäftigungsraten wird in der Bundesrepublik 2012 das dritte Jahr in Folge weniger schwarz gearbeitet. Das Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) sagt in einer am Dienstag veröffentlichten Studie voraus, dass die Schattenwirtschaft im laufenden Jahr 1,6 Milliarden Euro weniger umsetzen werde als 2011 . Weil man derzeit vergleichsweise leicht einen regulären Job bekomme, sei Schwarzarbeit für die Menschen nicht mehr so attraktiv wie noch vor einigen Jahren, sagte der Geschäftsführer des IAW, Bernhard Brookmann. Trotzdem geht das Institut in seiner Schattenwirtschaftsprognose davon aus, dass in Deutschland jeder siebte Euro am Fiskus vorbeigeschleust werde. Das Volumen der Schattenwirtschaft betrage in diesem Jahr rund 13,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das entspricht einem Gesamtumsatz von 343 Milliarden Euro.

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„Weniger waren es zuletzt 2001 mit 330 Milliarden Euro“, sagte Brookmann. Der illegale Sektor bliebe damit einer der größten Wirtschaftszweige in Deutschland. Zum Vergleich: Die Bauindustrie rechnet lediglich mit einem Umsatz von 92 Milliarden Euro. „2010 und 2011 hatten die günstige Arbeitsmarktentwicklung und das kräftige Wachstum bereits dazu geführt, dass die Schattenwirtschaft um 7,5 Milliarden Euro gesunken ist“, heißt es in der mit dem Experten Friedrich Schneider von der Universität Linz durchgeführten Studie. Der Rückgang falle in diesem Jahr wegen der Konjunkturflaute und der langsamer steigenden Beschäftigung schwächer aus. Gedämpft werde er auch von dem seit Januar geltenden Mindestlohn für Zeitarbeit: Dadurch flössen 300 Millionen Euro in den illegalen Sektor ab. Vermindert werde der Anreiz zur illegalen Beschäftigung dagegen durch den von 19,9 auf 19,6 Prozent gesunkenen Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung.

13,4 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung entfällt der Studie zufolge auf die Schwarzarbeit. Das entspricht etwa dem Durchschnitt der Industrieländer. In Italien und Griechenland liegt der Anteil bei mehr als 20 Prozent, in der Schweiz und den USA dagegen unter acht Prozent. 2003 war mit 17,1 Prozent ein Rekordwert in Deutschland erreicht worden. Um die Schwarzarbeit stärker einzudämmen, schlagen die Forscher eine befristete Rückvergütung der Mehrwertsteuer bei arbeitsintensiven Dienstleistungen in der Baubranche vor. Das allein würde die Schwarzarbeit um neun bis 15 Milliarden Euro drücken. Zwischen vier und sechs Milliarden Euro würde eine stärkere steuerliche Absetzbarkeit von haushaltsnahen Dienstleistungen bringen, etwa eine vollständige Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten. „Sinnvoll wäre auch eine Ausweitung der bestehenden Sperre von öffentlichen Auftragsvergaben für Firmen, die schwarzarbeiten lassen, auf bundeseinheitlich drei bis fünf Jahre“, hieß es.

Unter Schattenwirtschaft werden Tätigkeiten verstanden, die im Prinzip auch legal ausgeübt werden könnten, die jedoch den öffentlichen Stellen nicht gemeldet werden, damit keine Steuern und Sozialbeiträge gezahlt werden müssen. Hinzu kommt die illegale Beschäftigung, etwa die illegale Ausländerbeschäftigung. Auch kriminelle Aktivitäten wie Hehlerei, Drogenhandel, Betrug, Schmuggel oder Menschenhandel werden erfasst. Die Forscher berechnen für ihre Schätzungen beispielsweise die Geldmenge. Sie gehen davon aus, dass ein Großteil der schwarz erbrachten Leistungen bar entlohnt werden.

Mit Material von rtr/dpa