Comeback nach Plagiatsaffäre?

Seehofer: Guttenberg kehrt noch nicht zurück

Ex-Verteidigungsminister wolle auf absehbare Zeit nicht zurückkehren. Er brauche noch mehr Zeit, um aus seinen Fehlern zu lernen.

München. Kein Mandat, keine öffentlichen Auftritte: Karl-Theodor zu Guttenberg hat CSU-Chef Horst Seehofer abgesagt, was eine zeitnahe Kandidatur für die Partei betrifft. Er werde im Jahr 2013 nicht für ein politisches Mandat kandidieren. Der Ex-Verteidigungsminister, der wegen der Affäre um seine Doktorarbeit zurückgetreten ist, braucht nach eigenen Angaben noch mehr Zeit, um aus seinen Fehlern zu lernen. Die Gründe seien sehr persönlicher Natur. In absehbarer Zeit wolle er nicht auf das politische Parkett zurückkehren, es sei einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt für ein Comeback. Er werde auf längere Zeit auch nicht auf öffentlichen Veranstaltungen in Deutschland auftreten. Dies alles stand in einem Brief an alle CSU-Mitglieder, den Seehofer vorlegte. Bereits gemachte Zusagen nimmt er wieder zurück. Während Huber vor kurzem noch gewarnt hatte , schnell über die Causa Guttenberg zu entscheiden, hatte Seehofer keine Eile gezeigt.

Im Sommer war Guttenberg mit seiner Familie in die USA ausgewandert. Dort nahm er ehrenamtlich einen Job bei der Denkfabrik für Strategische und Internationale Studien CSIS an. Zudem berät er seit Dezember die EU-Kommission in Fragen der Freiheit des Internets.

Seehofer schloss aber nicht aus, dass Guttenberg zu einem späteren Zeitpunkt zurückkommen werde. Eine Wiederkehr in die deutsche Politik unter dem Dach der CSU bleibe durchaus eine Option. „Es ging gestern um den Zeitpunkt.“

Aus Unionskreisen war am Freitagmorgen verlautet, Guttenberg wolle im kommenden Jahr bei der Bundestagswahl wieder antreten.

+++ Lesen Sie hier den Brief Guttenbergs an die Parteimitglieder +++

Stimmen zu Guttenbergs Nicht-Comeback:

Die bayerische FDP-Vorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat den Verzicht von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf ein schnelles Comeback begrüßt. Es sei gut, wenn der bevorstehende Wahlkampf in München und Berlin von Inhalten geprägt werde „und nicht von der PR von Karl-Theodor zu Guttenberg“, sagte Leutheusser-Schnarrenberger am Freitag in einer Mitteilung. Die Bundesjustiziministerin fügte hinzu: „Ich verstehe, dass Karl-Theodor zu Guttenberg nicht wieder das Licht der Öffentlichkeit sucht.“

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl bedauert den Verzicht von Karl-Theodor zu Guttenberg auf eine schnelle Rückkehr in die Politik. „Das ist bedauerlich, weil der CSU damit zunächst einmal ein Talent verloren geht“, sagte er der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Samstagausgabe). Vielleicht überlege er es sich im Verlauf der nächsten Jahre ja noch einmal anders. Guttenberg sei jung und habe „noch viel vor sich“.

Sein Fraktionskollege Norbert Geis sagte dem Blatt: „Diese Entscheidung haben wir zu respektieren. Ich hoffe, dass das keine Absage an die Politik für alle Zeiten ist.“

Der CSU-Kreisvorsitzende von Lichtenfels, Christian Meißner , bedauert den Verzicht von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf eine erneute Kandidatur bei der Bundestagswahl 2013. „Wir hatten mit ihm einen Bundestagsabgeordneten, der seinen Wahlkreis hervorragend vertreten hat“, schrieb der Lichtenfelser Landrat am Freitag auf seiner Internetseite. Er akzeptiere aber Guttenbergs Entschluss, „den er sicherlich auch im Interesse und aus Rücksichtnahme auf seine Familie getroffen hat“.

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt hofft nach der Absage von Karl-Theodor zu Guttenberg auf ein Ende der dauernden Personaldebatte in der CSU. Sie akzeptiere die Entscheidung Guttenbergs, erklärte Hasselfeldt am Freitag. „Es ist nun gut, die Debatten um Personen einzustellen und uns um die politischen Sachfragen zu kümmern. Die CSU ist sowohl personell als auch inhaltlich stark aufgestellt, um in die kommenden Wahlen zu ziehen.“

In der oberfränkischen Heimat von Karl-Theodor zu Guttenberg ist die Nachricht von dem geplatzten Comeback mit Bedauern aufgenommen worden. „Mit ihm hatten wir eine Persönlichkeit, die die Menschen wieder für die Politik interessiert und begeistert hat“, sagte der Kulmbacher CSU-Kreisvorsitzende Henry Schramm . „So jemanden zu verlieren, ist ganz schwierig.“ Schramm sagte, er habe am Donnerstagabend bei einem privaten Treffen lange mit Guttenberg gesprochen. „Da hat er erklärt, dass er 2013 bei keiner Wahl antreten wird.“

Chronologie: Guttenbergs politische Laufbahn

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat innerhalb kürzester Zeit einen rasanten politischen Aufstieg erlebt. Nach seinem schnellen Sturz wegen der Plagiats-Affäre blieb sein Comeback in die Bundespolitik bisher aus.

- 2002: Karl-Theodor zu Guttenberg wird als 30-Jähriger in den Bundestag gewählt.

- 2007: Wahl zum Vorsitzenden des CSU-Bezirksverbandes Oberfranken.

- 2008: CSU-Chef Horst Seehofer beruft ihn zum Generalsekretär.

- Februar 2009: Nach dem Rücktritt von Michael Glos (CSU) wird Guttenberg als dessen Nachfolger jüngster Bundeswirtschaftsminister.

- Oktober 2009: Nach der Bundestagswahl übernimmt Guttenberg das Verteidigungsressort von Franz Josef Jung (CDU), der Arbeitsminister wird.

- 2010: Der CSU-Hoffnungsträger wird in den Medien als möglicher nächster CSU-Chef, bayerischer Ministerpräsident oder Kanzlerkandidat der Union gehandelt.

- März 2011: Knapp zwei Wochen nach den ersten Enthüllungen in der Plagiats-Affäre um seine Doktorarbeit tritt Guttenberg zurück.

- 19. November 2011: Bei seiner ersten öffentlichen Veranstaltung nach dem Sturz nimmt er als „Distinguished Statesman“ (angesehener Staatsmann) an einer Sicherheitskonferenz in Halifax (Kanada) teil.

- Ende November 2011: Guttenbergs Interview-Buch „Vorerst gescheitert“ erscheint, die Erstauflage von 80 000 Exemplaren ist innerhalb von drei Tagen vergriffen.

- 12. Dezember 2011: Guttenberg wird Berater der EU-Kommission zur Internetfreiheit. Er betont in Brüssel: „Dies ist kein politisches Comeback.“

- 20. Januar 2012: Seehofer stellt klar, Guttenberg wird sich 2013 nicht um ein Bundestagsmandat bewerben und vorerst nicht in die deutsche Politik zurückkehren.

Mit Informationen von dpa, dapd und rtr

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