Zentis zahlte

Wulff und die Einladung zum Filmball

Die Vorwürfe gegen Christian Wulff reißen nicht ab. Nun wurde ein weiterer von einem Unternehmen finanzierter Aufenthalt aufgedeckt, den Wulff in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident angenommen haben soll. Wie die Münchner "Abendzeitung" schrieb, habe sich Wulff einen Ausflug zum Deutschen Filmball 2010 in München vom Marmeladen-Konzern Zentis samt Übernachtung im Bayerischen Hof finanzieren lassen.

München/Berlin. Die Vorwürfe gegen Christian Wulff reißen nicht ab. Nun wurde ein weiterer von einem Unternehmen finanzierter Aufenthalt aufgedeckt, den Wulff in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident angenommen haben soll. Wie die Münchner "Abendzeitung" schrieb, habe sich Wulff einen Ausflug zum Deutschen Filmball 2010 in München vom Marmeladen-Konzern Zentis samt Übernachtung im Bayerischen Hof finanzieren lassen.

Dies wurde im Anschluss an den Bericht von Wulffs Anwalt Gernot Lehr bestätigt: „Herr Wulff hat mit Ehefrau am 16.1.2010 auf Einladung der Firma Zentis am Filmball in München teilgenommen“, erklärte der Jurist. Die Übernachtung im Bayerischen Hof sei für die Eheleute Wulff und das Sicherheitspersonal von der Staatskanzlei gebucht und dann – ebenso wie die Eintrittskarten – von der Firma Zentis bezahlt worden. Dies sei im Einklang mit den neuen Durchführungsregelungen zum niedersächsischen Ministergesetz gewesen. Danach konnten die einladenden Gastgeber Reise- und Übernachtungskosten für Regierungsmitglieder übernehmen, „sofern ausgeschlossen war, dass die Annahme einer unentgeltlichen Leistung das betreffende Regierungsmitglied in der Erfüllung seiner Amtsaufgaben beeinflusst oder behindert“.

Der Anwalt bestätigte auch Angaben der „Abendzeitung“, dass der damalige Ministerpräsident wenige Wochen zuvor als Redner bei der Jahresabschlusskonferenz des Unternehmens aufgetreten sei. Wulff habe am 10.12.2009 in einem Hotel in den Niederlanden vor der Jahresabschlusskonferenz einen Vortrag gehalten über Fragen der Lebensmittelwirtschaft. „Er hat die Führung der Zentis-Gruppe anlässlich dieses Termins überzeugen können, die zentrale Führungstagung des folgenden Jahres in Wolfsburg durchzuführen“, teilte der Anwalt mit.

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Zudem wurde bekannt, dass die niedersächsische Staatskanzlei in der Regierungszeit des heutigen Bundespräsidenten Christian Wulff nach einem Zeitungsbericht doch aktiv in die Vorbereitung eines privaten Wirtschaftstreffens verwickelt gewesen sein soll. Zudem sei das Land über Leistungen eines Landesbetriebs am dritten Nord-Süd-Dialog 2009 sogar finanziell beteiligt gewesen, berichtet die hannoversche „Neue Presse“ (Freitag). Die Landesregierung hatte das bislang bestritten. Ein Regierungssprecher konnte zunächst nicht Stellung nehmen und kündigte eine Prüfung des Berichts an.

Wulffs Sprecher Olaf Glaeseker habe vor dem dritten Nord-Süd-Dialog telefonisch um organisatorische Hilfe durch das Veranstaltungsmanagement der Medizinischen Hochschule Hannover gebeten, zitierte die Zeitung den Sprecher der Einrichtung, Stefan Zorn. „Als Landesbetrieb des Landes Niedersachsen sind wir der Bitte der Staatskanzlei natürlich gerne gefolgt.“ 44 Studierende hätten deshalb bei der Veranstaltung am 11. Dezember 2009 im Flughafen Hannover geholfen, unter anderem an der Garderobe. Nach Angaben der Zeitung soll die Hochschule der Staatskanzlei die Kosten von 5245 Euro vergeblich in Rechnung gestellt haben – die Staatskanzlei habe die Begleichung abgelehnt.

Wegen des Verdachts der Bestechung beziehungsweise Bestechlichkeit im Zusammenhang mit der Veranstaltungsreihe waren am Donnerstag Räume des ausrichtenden Veranstaltungsmanagers Manfred Schmidt und von Glaeseker durchsucht worden. Wulff hatte Glaeseker ins Präsidialamt mitgenommen, ihn mitten in seiner Kreditaffäre vor Weihnachten aber als Präsidentensprecher entlassen, ohne Gründe anzugeben.

Nach früheren Presseberichten soll Veranstalter Schmidt bei der Veranstaltung im Dezember 2009 satten Gewinn gemacht haben, weil die Sponsorengelder sich auf 685 000 Euro summiert hätten, die Kosten aber nur auf 300 000 Euro. (dpa)