Interview mit FDP-Politiker Johannes Vogel

"SPD und Grüne sind bereit, mit der Linken zu koalieren"

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Der scheidende Vorsitzende der Jungen Liberalen, Johannes Vogel, spricht im Abendblatt über Guido Westerwelle als Wahlkämpfer.

Hamburg. Heute beginnt in Bonn der Bundeskongress der Jungen Liberalen. Der scheidende Vorsitzende Johannes Vogel über die Wahlaussichten von Schwarz-Gelb in NRW und Guido Westerwelle als Wahlkämpfer.

Hamburger Abendblatt: Herr Vogel, was müssen Union und FDP tun, damit die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen für Schwarz-Gelb nicht verloren geht?

Johannes Vogel: Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ist völlig offen. Ein wichtiger Beitrag auf dem Weg zu einem erneuten Wahlsieg von Schwarz-Gelb wird der FDP-Bundesparteitag sein, der am 24./25. April - also zwei Wochen vor der Landtagswahl - in Köln stattfindet. Da wird die FDP konkret sagen, wie die angekündigte Steuerreform samt Gegenfinanzierung aussehen soll und wie wir Hartz IV fairer machen wollen.

Den Umfragen zufolge wird die FDP ihr Wahlergebnis von 2005 deutlich verbessern können, der CDU wird ein Absturz um 6 bis 7 Prozent vorausgesagt - was ist schiefgelaufen?

Die Bilanz der Landesregierung ist sehr gut. Wir sind vier Wochen vor der Wahl, da muss man auf Umfragen noch nicht viel geben. Der Wahlkampf beginnt gerade erst. Und natürlich fragen sich die Bürger jetzt verstärkt, was die Landesregierung in den zurückliegenden fünf Jahren geleistet hat. Ich glaube, die Bilanz kann sich sehen lassen. Wir haben die Hochschulen in die Selbstständigkeit entlassen und 8000 neue Lehrerstellen geschaffen. Außerdem haben wir die Verwaltung deutlich verschlankt.

Ein Bündnis mit den Grünen ist für die CDU eine realistische Option, wenn es für Schwarz-Gelb nicht reicht. Die FDP hätte keine Alternative. Ist das nicht Anlass genug, auf Rüttgers wütend zu sein?

Es gibt keinen Anlass, auf den Koalitionspartner wütend zu sein. Wenn es für Schwarz-Gelb am 9. Mai nicht reicht, heißt die Alternative nicht Schwarz-Grün, sondern Rot-Rot-Grün. Wer das nicht erkennt, hat nicht hingehört. Die SPD ist bereit, mit der Linken zu koalieren, sie hat lediglich die Tolerierung durch die Linke ausgeschlossen. Dasselbe gilt übrigens für die Grünen. Darauf werden wir im Wahlkampf immer wieder hinweisen.

Ihr Parteichef Guido Westerwelle befindet sich in allen Umfragen im freien Fall - kann er im Wahlkampf überhaupt noch eine Hilfe sein?

Guido Westerwelle ist ein großer Wahlkämpfer, und deshalb ist es gut, dass er im NRW-Wahlkampf auftreten wird.

Sie wollen sich auf dem Bundeskongress der Jungen Liberalen, der heute in Bonn beginnt, nicht noch einmal zum Bundesvorsitzenden wählen lassen. Warum?

Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Ich habe das jetzt fünf Jahre gemacht, und wir haben viel erreicht, aber es ist auch gut, wenn eine Jugendorganisation regelmäßig neue Impulse bekommt.

Wer wird Ihr Nachfolger?

Es gibt eine offene Kampfkandidatur zwischen dem ehemaligen Landesvorsitzenden der Julis in Hessen, Lasse Becker, und dem ehemaligen Landesvorsitzenden der Julis in Baden-Württemberg, Leif Schubert. Heute Abend werden wir wissen, wer sich durchsetzt.