Untersuchungsausschuss

Widersprüche bei Kundus-Aussagen

Berlin. Die Aussagen des deutschen Kommandeurs Georg Klein vor dem Kundus-Untersuchungsausschuss haben andere befragte Soldaten teils dementiert. Der damalige Fliegerleitoffizier sagte nach Informationen des "Focus" bei der Befragung aus, Oberst Klein sei über Absprachen mit den US-Bomberpiloten umfassend informiert worden. Klein habe dagegen vor dem Ausschuss am 10. Februar angegeben, die Kommunikation sei überwiegend zwischen dem Oberfeldwebel, Codename "Red Baron 20", und den Kampfjets gelaufen. Auch einige Ausschussmitglieder hatten erklärt, dass es deutliche Widersprüche zwischen den Aussagen Kleins und des Fliegerleitoffiziers zum tödlichen Bombardement gegeben habe.

Der "Spiegel" berichtete, der Fliegerleitoffizier und ein ebenfalls geladener Bundeswehr-Hauptmann hätten ausgesagt, dass sie mit der Bombardierung ausschließlich die beiden von den Taliban entführten Treibstofflaster als Gefahr ausschalten wollten. Oberst Klein hatte hingegen erklärt, Ziel seien die Laster sowie Aufständische in der unmittelbaren Nähe gewesen. Zudem hätten die Untergebenen Klein nach eigenen Angaben mehrfach den Vorschlag der US-Piloten übermittelt, zur Abschreckung einen Tiefflug zu unternehmen. Klein habe dagegen ausgesagt, der Vorschlag sei nur einmal an ihn herangetragen worden.

Oberst Klein hatte vor dem Ausschuss die volle Verantwortung für den von ihm befohlenen Luftangriff übernommen. Bei dem schlimmsten Bombardement in der Geschichte der Bundeswehr waren im September 2009 im Norden Afghanistans bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden. Ungeachtet der Fehler beim Bombardement wurde der Fliegerleitoffizier nach "Spiegel"-Angaben nach dem Vorfall turnusgemäß zum Hauptfeldwebel befördert.

Neuer Afghanistan-Beauftragter der Bundesregierung soll unterdessen Michael Steiner als Nachfolger von Bernd Mützelburg werden. Der frühere außenpolitische Berater von Ex-Kanzler Gerhard Schröder ist derzeit Botschafter in Rom.