Kritik

Wowereit gegen Sarrazin: Nicht sozialdemokratisch

Berlin. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat seinem Ex-Finanzsenator und heutigen Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin (SPD) parteiferne Positionen vorgeworfen. "Ich finde die Äußerungen von Sarrazin inakzeptabel", sagte Wowereit gestern auf der Senats-Pressekonferenz. Er bezog sich auf abwertende Aussagen Sarrazins über Ausländer, vor allem über Türken und Araber in Berlin. Er wende sich gegen das Menschenbild, das hinter Sarrazins Äußerungen stehe, sagte der Regierungschef: "Das ist nicht mein Menschenbild, und das sollte kein sozialdemokratisches Menschenbild sein."

"Ich distanziere mich ohne Wenn und Aber von diesen Äußerungen", betonte Wowereit, der früher häufig seinen Finanzsenator bei provokanten Äußerungen in Schutz genommen hatte. "Da gibt es auch nichts zu beschönigen. Sarrazin ist zu klug, dass er nicht wüsste, was er sagt." Wowereit warnte jedoch zugleich vor einer Emotionalisierung der Debatte über Sarrazin. "Eine Heroisierung von Sarrazin ist nicht angemessen, genauso wenig eine Verteufelung."

Ob man Sarrazin (64) deswegen wie von der Linken in der SPD gefordert aus der Partei ausschließen sollte, ließ Wowereit offen. Die Linke in der Berliner SPD hatte am Vortag einen Ausschluss Sarrazins wegen rassistischer Äußerungen gefordert, nachdem eine Kreis-Schiedskommission dies abgelehnt hatte. Die eher rechts orientierten Mitglieder in der Berliner SPD lehnten dagegen gestern einen Ausschluss Sarrazins ab. Zwei Kreisverbände riefen jetzt die Landesschiedskommission an.