Debatte um Schweizer Minarett-Verbot

In Rendsburg tobt der Kampf um den Freitagsruf

Zehn Jahre haben sie an ihrem Gotteshaus gebaut, Anfang Oktober eröffnete das Islamische Zentrum im schleswig-holsteinischen Rendsburg feierlich die größte Moschee des Nordens. Ein bisschen Tausendundeine Nacht in der mittelholsteinischen Provinz: große Kuppel, Fenster mit Arkaden, zwei Minarette von 26 Meter Höhe - alles in lichtem Gelb mit kunstvollen Intarsien. Proteste gab es nicht, der Bau der Centrum-Moschee galt lange als Musterbeispiel für das friedliche Zusammenleben der Religionen.

Doch inzwischen tobt auch in Rendsburg und Büdelsdorf, auf dessen Grenze der Großbau im Niemandsland zwischen Bahngleisen, Altenheim und Schule liegt, ein erbitterter Streit. Zwei Anwohner haben 800 Unterschriften gesammelt - gegen den geplanten Ruf des Muezzins. "Der Gebetsruf zwingt die Umgebung, an einer religiösen Übung teilzunehmen", sagt Volkhard von Bonin. Der 74-jährige Soldat a. D. ist einer der Protagonisten des Widerstands. "Natürlich begrüßen wir den Schweizer Volksentscheid, auch wenn er nicht unbedingt übertragbar ist." Die Schweizer Kampagne hat sich übrigens ein gebürtiger Hamburger, Alexander Segert, ausgedacht.

Ganz anders die Lage in Hamburg: "Es gibt Moscheen mit Minaretten in St. Georg, an der Alster und in Stellingen. Probleme mit Anwohnern haben wir nicht", sagt der Vorsitzende des Bündnisses der Islamischen Gemeinden in Norddeutschland, Ramazan Ucar. Einen Muezzin gibt es an keinem Standort. "Wir überlegen, ob wir nach der Neugestaltung der Minarette der Centrum-Moschee in St. Georg einen Antrag für den Gebetsruf stellen sollen", so Ucar.

Im Rendsburger Glaubenskrieg warten die Beteiligten auf ein Schallgutachtens, das für eine städtische Genehmigung notwendig ist. In den vergangenen Wochen war es für die Lärmmessungen zu stürmisch. Direkte Gespräche zwischen den Parteien gab es nicht. "Das Islamische Zentrum hat aber jetzt zugesagt, dass der Muezzin nur am Freitagmittag rufen soll", sagt Bürgermeister Andreas Breitner (SPD). Ob das Angebot den Konflikt befrieden kann, ist äußerst fraglich. Anti-Muezzin-Aktivist von Bonin: "Wir finden es merkwürdig, dass in einem Gottesbau auch mehrere Geschäfte untergebracht sind." Sobald das Schallgutachten vorliege, werde man die gesamten Bauunterlagen von einem Sachverständigen prüfen lassen.