Dummdeutsch und Denglisch

Das sagen die Leser

Das Echo auf den Artikel über das "Verkommen der deutschen Sprache und die Macht der Anglizismen" von Matthias Iken war riesig. Hier die Raktionen.

Vielen Dank für diesen Artikel, mit dem Sie mir aus der Seele sprechen. Aber wie erkläre ich meinen 4 Kindern die deutsche Sprache? Da sie im Alltag ständig nur Denglisch lesen, glauben sie dies sei die deutsche Sprache. Peter Francken

Danke Herr Iken, dass Sie uns den Spiegel vorgehalten haben. Bei den vorgestellten Beispielen fehlt allerdings noch die allerschlimmste Wortschöpfung. Der Begriff "Port Authority" ist der Gipfel des Dummdeutschen. Er klingt dumpf und unangenehm und kann von kaum einem Hiesigen vernünftig ausgesprochen werden. Man hat dafür den wohlklingenden Namen Strom-und-Hafenbau aufgegeben. Dieser Name klingt nach Meer, Wasser und Wellen, die auf den Strand treffen und zeigt uns, dass wir eine wunderschöne Sprache haben. Bruno und Christiane Dornecker

Was inkommodiert Herrn Iken an der Integration externer Vokabeln? Ist es latente Xenophobie? Ist Multilingualität nicht Desirat eines jeden ambitionierten Pädagogen? Das Deutsche ist in Grammatik, Morphologie und Lexikologie so profund latinisiert, dass eine Entlatinisierung respektive eine Regermanisierung à la "Gesichtserker" (id est "Nase") ebenso irrational wäre, wie es das redundante Lamento über die Penetration der aktuellen globalen Lingua Franca in das Deutsche ist. Holger Winkelmann-Liebert

Endlich einer mit meiner Meinung... Sie haben mir das Wochenende versüßt. Darf ich Ihnen eines meiner furchtbaren Erlebnisse erzählen? Am vergangenen Freitag besuchte ich in der Nikolaikirche eine Fotoausstellung zum Thema "Überfall auf Polen 1.9.39!" Danach ging ich zu Fuß zurück zur Bushaltestelle am Rathausmarkt durch eine der dort so hübschen alten Straßen, in der ich jahrelang nicht mehr war. Vorbei kam ich dabei an der "Patriotischen Gesellschaft". Was ich erwartet habe und ob ich überhaupt etwas erwartet habe, kann ich nicht sagen. Der Schock war riesengroß: Auf der Eingangstür prangte "exklusive Event-Location"! Der Schock hält immer noch an. Margot Gehrmann

Sehr geehrter Herr Iken, vielen Dank für die passenden Worte zum Thema "Zerstörung unserer Sprache". Es kann gar nicht oft genug gesagt werden: Dummdeutsch und Denglisch machen es nicht nur zunehmend schwerer, sich innerhalb Deutschlands, also in unserem Heimatland (wenn man das denn noch sagen darf) zurecht zu finden, sondern mit unserer Sprache geben wir auch unsere Identifikation und die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kultur auf. Die schreibende Zunft steht m.E. in der besonderen Pflicht, die deutsche Sprache nach allen Regeln der Kunst zu pflegen und zu schützen. Nun war das Hamburger Abendblatt, das von mir seit 25 Jahren regelmäßig gelesen wird, immer ein Garant und Maßstab für gutes und seriöses Deutsch bei der Nachrichtenvermittlung. Seit einiger Zeit allerdings bin ich mir da nicht mehr so sicher, denn es tauchen vermehrt Druckfehler auf, Grammatik-Regeln werden nicht ernst genommen und es werden deutsche Worte benutzt, die eine gewisse Seriosität vermissen lassen. Ich hoffe, dass das Abendblatt hier keinen Kurswechsel vorgenommen hat, sondern über kurz oder lang wieder zum Maßstab deutscher Sprache wird. Thomas Vagts

Sehr geehrter Herr Iken, die Teilnehmer der von Ihnen zitierten Studie - in Auftrag gegeben von der Gesellschaft für deutsche Sprache, die Deutsch ja gern am Abgrund sieht - nennen als Hauptgrund für den "Verfall" der deutschen Sprache die Tatsache, dass "heute weniger gelesen wird als früher". Es wäre schön gewesen, wenn Sie sich darüber echauffiert hätten, anstatt sich polternd und publikumswirksam auf die ach so gefährlichen Anglizismen zu stürzen. Kein Mensch kann sagen, welche dieser Anglizismen sich dauerhaft in der Sprache verankern werden, und wenn sie es getan haben, wird man nicht mehr darüber nachdenken, ebenso wie man heute nicht mehr über die vielen französischen, lateinischen, jiddischen, englischen Worte nachdenkt, die sich vor Jahrhunderten in das Deutsche eingeschlichen haben. Da kann man sich getrost entspannen und muss keineswegs das Ende der deutschen Sprache am Horizont ausmachen. Sprachen sind aufnahmefähig, ständig in Veränderung begriffen, insbesondere auch durch den Einfluss von außen. Es wäre unangemessen, lächerlich und weltfremd, sich dagegen abschotten zu wollen. Was Sie allerdings tun können, ist, Ihrem Sohn vorzulesen und ihn später zur Lektüre guter Bücher anzuregen, um ihm ein gutes Sprachgefühl und Lust an der Sprache mit auf den Weg zu geben, um ihm die Vielfalt seiner Sprache vor Augen zu führen und auch um ihm zu zeigen, dass und wie sich Sprache über die Jahrhunderte verändert. Was er damit macht, wird dann seine Sache sein. Und im übrigen wird die deutsche Sprache auch das überleben. Beatrice Faßbender

Sehr geehrter Herr Iken, ganz ausgezeichnet ist Ihre antiangloholische Sprachkritik vom 12.9. Da ich unterwegs bin, kann ich nicht soviel schreiben (und Ihnen einige Leserbriefe kopieren), wie ich möchte. Hier nur erst diese Anmerkungen: 1. Mit großem Recht betonen Sie die meist kläglichen Englischkenntnisse unserer Angloholiker, wobei Millionen hilfloser Sprecher allerdings Doinglisch aufgezwungen wird, weil keine Alternativen geboten sind. Der Eindruck unseres Pseudoenglisch auf Anglophone ist weltpeinlich, Dritte Welt. Sie hätten noch den albernen Shootingstar erwähnen können, der eine Beleidigung darstellt (Sternschnuppe!).Und Mobbing gibt es englisch nur bei Tieren! 2. Den BODYBAG habe ich ganz alleine 2002 ALDI ausreden können: seitdem gibt es kein Massenangebot mehr.Man kann also schon etwas bewirken.Die Vorschläge des VDS sind leider teils dilettantisch.In Skandinavien gibt es kopmpetente Sprachräte! 3. Kürzlich hat ein FAZ-Leserbrief eine engl. Hamburger-Uni-Anzeige aufgespießt, die haarsträubende Fehler hatte. Da ist wohl keine Prüfinstanz da. 4. Warum sorgen eigentlich unsere Hochschul-Philologen seit Jahrzehnten weder für gutes Englisch bei uns, also auch für die Erledigung des dümmlichen Doinglisch,noch für erfinderisches Deutsch? Man überläßt feige und bequem alles den Werbefritzen und den ebenso hilflosen Wissenschaftlern, von denen keiner den Mut zur Übertragung aufbringt.Es gäbe dann Wortkonkurrenz, also Wirrwarr, weil eine Norminstanz wie z.B. in Frankreich fehlt. Das Tiefenmotiv für diesen sprachlichen Selbstboykott Nur nicht deutschtümeln: als ob Englisch nicht schon lange anglotümelte!Aber der Judäozid war eben deutsch. Bitte, bleiben Sie an dem Thema dran: eine regelmäßige Sprachglosse wäre sehr zu wünschen! Guido Kohlbecher (Anglist, Romanist, Germanist)

Sehr geehrte Damen und Herren, in der heutigen Ausgabe des HA (12./13.09.2009) geißeln Sie unter der Überschrift „Ansichtssache“ mit Recht die sich abzeichnende Zerstörung unserer Sprache. Allerdings weise ich auf Fehlentwicklungen auch in Ihrem Hause hin. Wie Herr Byszio (s. Leserbrief im HA vom 11.08.2009) habe ich ebenfalls seinerzeit ungläubig zur Kenntnis nehmen müssen, dass Sie das neue Großraumbüro stolz als Newsroom vorgestellt haben. Ich hätte nicht gedacht, dass eine so große sich weltstädtisch gebende Tageszeitung mit hohem Qualitätsanspruch nicht in der Lage ist, aus dem hoffentlich zur Verfügung stehenden großen Sprachschatz eine entsprechende überzeugende deutsche Bezeichnung zu finden. Ich kann ja für Ihre dollen Einfälle nichts, aber mir ist dann dieses Huckepackspringen immer ein bisschen peinlich. Auch macht es mich schon betroffen. Bei jedem Beispiel habe ich das Gefühl, man tritt seiner eigenen Mutter kräftig in den Bauch. Eigentlich könnte man erwarten, dass sich die Medienverantwortlichen der Tagesschau, des SPIEGEL oder anderer Zeitschriften gerade im Zeitalter der Globalisierung ihrer Verantwortung der eigenen Sprache gegenüber bewusst sind. Ich vermisse gerade bei dem Gebrauch dieser eigenen Sprache Selbstbewusstsein und Persönlichkeit. Sie könnten sich ja auch mal von den vielen Trendstramplern oder selbsternannten Weltbürgern wohltuend absetzen. Es zeugt m.E. auch von einer gewissen Zweitklassigkeit, wenn man von anderen mangels eigener Fantasie abkupfert oder einfach devot übernimmt. Nach gleicher Augenhöhe sieht dies nicht aus. Lassen Sie sich doch auch mal neue intelligente Wortschöpfungen einfallen, die sich nicht nach einer Übersetzung von Lieschen Müller anhören. Das machen die Engländer oder Amerikaner doch vor. Sind wir denn so viel dummer. Für eines der größten Kulturländer der Welt erscheint dieses Verhalten seiner Meinungsbildner ein Armutszeugnis und damit ein trauriger Abstieg ins provinzielle. „Verliert eine Nation ihre Sprache, verliert sie ihr Gedächtnis, ihre Geschichte, ihre Identität“ (Zitat aus dem SPIEGEL Nr. 37). Die Sprachakrobaten sind überall auf dem Vormarsch. Vor einigen Tagen fiel mir zufällig ein Faltblatt in die Hände. Da veranstalten die hiesigen Stadtwerke einen „run & roll day“ . Von 12 vorgesehenen Disziplinen nur einige Kostproben: Westdeutscher Speedskating Cup, German Blade Challenge, YoungStar Cup, Sparkassen S`cools Running, Walken/Nordic-Walking, BITel Team Running. Was übrig bleibt sind dann Liegebiker, Inline-Fitnessläufer pp. Weitere Beispiele haben Sie ja heute unter „Ansichtssache“ aufgelistet. Ich schlage daher vor, dass das HA im eigenen Verantwortungsbereich, soweit es irgend möglich ist, auf Anglizismen verzichtet und gleichzeitig eine Initiative startet, um andere, am besten die ganze Medienwirtschaft, mit ins Boot zu nehmen. Damit könnten dann auch weitere Institutionen überzeugt und einbezogen werden. Dietrich Waskow

Lieber Herr Iken, Ihre "Ansichtssache" fand ich sehr ausgeklügelt, feinsinnig formuliert und erhellend. Kompliment von einem, der nach gründlichem Abwägen CHINA TIME so benannte. Knut Terjung

Dem Beitrag von Matthias Iken kann ich nur voll zustimmen. Warum lassen wir uns nur gefallen, dass immer mehr Wörter unserer deutschen Muttersprache durch englische Ausdrücke verdrängt werden? Hierzulande scheint die anglo-amerikanische Lebensart (oder das, was man sich darunter vorstellt) auf viele eine merkwürdige Faszination auszuüben, sie steht bei ihnen für modern, jung, fortschrittlich, und das geben solche Möchte-gern-Amerikaner durch ihre Ausdrucksweise kund. Derart angesprochen, sollte man immer nachfragen und um Übersetzung bitten, auch auf die Gefahr hin, dass das als vorgestrig oder provinziell empfunden wird, was sich leicht ertragen läßt. Denn über eines müssen wir uns im klaren sein: Sprache kommt von sprechen. Wörter, die nicht mehr gesprochen werden, sterben schnell und sind unwiederbringlich verloren. Das führt letztlich zu einer Verarmung und Verfremdung unserer Muttersprache - für mich eine Katastrophe. Ruprecht Machatius

Mit Erstaunen und großem Unmut habe ich die Polemik von Herrn Iken gelesen. Hier springt jemand auf einen Modetrend auf, ohne Sprachentwicklung in Europa zu kennen und ohne Alternativen. Es kann nicht ernsthaft gefordert werden, dass sämtliche technischen Neuerungen aus welchem Ausland auch immer eingedeutscht werden. Dies hat damals die DDR mit lächerlichen Ergebnissen versucht, daran ist Frankreich in den letzten 20 Jahren gescheitert, daran wird auch die Slowakei in Zukunft scheitern. Wie weit sind die Geschichtskenntnisse führender Redakteure, wenn man die Sprachvermischungen zur Zeit der griechischen und später der römischen Herrschaft einfach nicht zur Kenntnis nimmt? Bis heute sprechen wir mit einer Unzahl von Vokabeln mit Wörtern aus diesen Sprachräumen. Im Hamburger Abendblatt freuen sich die Leser (zu recht!) in der Rubrik "Sprechen Sie Hamburgisch?" über viele Wörter, die seit der Franzosenzeit in Hamburg eingedeutscht (eingehamburgert?) wurden. Heute ist die Weltsprache englisch. Das führt mit Recht dazu, dass bereits in der Grundschule Englisch unterrichtet wird, dass in etlichen Staaten in Europa Fachunterricht in Englisch erteilt wird, dass in der Wirtschaft in vielen Firmen Englisch die Geschäftssprache ist und fast jeder deutsche Tourist im Ausland selbstverständlich englisch spricht. Es ist also keineswegs so, dass die vielen englischen Begriffe zu einem Kulturpessimismus führen. Diese Sicht können letzlich nur Menschen gaben, die in einer multikulturellen Welt den Untergang der Nation fürchten und logischerweise dann auch eine Sprachpolizei fordern. Welch absurdes Gedankengut! Dass manche Begriffe inflationär aus dem Englischen benutzt werden, möchte ich gar nicht bestreiten. Etliche Begriffe besonders aus der Wirtschaft, sind auch mir unbekannt. Aber wenn man wirklich wissen möchte, was sie bedeuten, kann man sein Sprachlexikon benutzen. Und noch eine Anmerkung zu der Feststellung des Autors, dass man manches durch die vielen englischen bzw. pseudoenglischen Wörter nicht versteht: Als jahrelanger Schulleiter einer Hamburger Schule waren in den letzten Jahren manche Anweisungen der Schulbehörde bezüglich der notwendigen Reformen in der Hamburger Schullandschaft ziemlich unverständlich, nicht, weil dort viele Anglizismen verwendet wurden, sondern weil die Texte von Psychologen und Soziologen in deren Fachsprache geschrieben wurden, die ein Grundstudium dieser Fächer verlangt hätte. Alle diese Schreiben waren in Deutsch abgefasst, nicht in Englisch oder einer schlechten Mischung aus deutsch und englisch! Bitte verfallen Sie nicht in eine Sprachradikalität, auch wenn dies zur Zeit immer mehr Anklang findet! Ingolf Claassen

Sehr geehrter Herr Iken, mit Ihrer Kolumne "ANSICHTSSACHE" haben Sie teilweise so Recht. Andererseits schießen Sie bei etlichen Beispielen, so bei den Internet-, PC- und Telekommunikationsausdrücken über das erstrebenswerte Ziel hinaus. Flatrate (Pauschalpreis), Software (weiche Ware) im Gegensatz zu Hardware (harte Ware) und die Mailbox (Brieffach) sind nun einmal weltweit verständlich. Wir sollten nicht den Franzosen mit ihrer "Anglophobie" nacheifern. Übrigens ein Transvestit ist ein cross-dresser, kein Dress Man, und the rail ist die Eisenbahn und to rail heißt fluchen. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg beim Aufspießen von so unsinnigen Worten und Begriffen wie Handy, Beamer & Co. Burkhard Heinzerling

Sehr geehrter Herr Iken, Ihr Artikel spricht mir aus dem Herzen. Bereits meine Deutschlehrerin in der Mittelschule (heute Realschule) lehrte uns (Jahrgang 1941) "Für jedes Fremdwort, welches ihr benutzt, schmiedet ihr ein Glied eurer Sklavenkette". Dieser Satz hatte mich tief beeindruckt, und als ich in meinem Bekanntenkreis jetzt davon erzählte, wurde ich nur mitleidig belächelt, die werfen allerdings mit englischen Ausdrücken um sich, die sie nicht verstehen. Aufhänger dazu war u.a. die Sour Creme zur Ofenkartoffel. Steif und fest behaupteten sie, dass es "Sur" s -u- r ausgesprochen wird, da es ja "alle" so aussprechen. "Alle" sind aber die, die kein Englisch sprechen, die auch "shoppen gehen aber ohne Geld". Auf meinen Rat, im Wörterbuch nachzuschlagen, haben sie jetzt endlich begriffen, dass "Sour" im Englischen wie im Deutschen "sauer" jedoch mit scharfem "S" ausgesprochen wird. Das ist doch "supie" - auch so ein Dummwort. Ein Bekannter ging zum "Public view". Auf meine Frage, wo er zum Leichenbeschau gegangen ist, konnte er nicht antworten - er wußte garnicht, was ich meinte. Verwirrend nicht wahr? Nun fielen mir allerdings am 14. ds.Mts. im HA u.a. Begriffe ins Auge wie meet & greet, Off-shore Windpark, After-Show-Party, und die Events fand ich beim flüchtigen Blick gleich mehrmals. Vielleicht wäre es gut, dahingehend die Artikel im HA zu überprüfen. Übrigens, meine Deutschlehrerin war auch gleichzeitig meine Englischlehrerin. Nun, Sprache - nicht nur die deutsche - verändert sich, wie sie sich immer verändert hat. Wir sprechen und schreiben auch nicht mehr wie im Mittelalter. Dazu bedurfte es aber keiner Gesetze und keiner Reform, die völlig unnütz ist und nur viel Geld gekostet hat. Sprache lebt und wird weiterleben. Renate Harms

Sehr geehrter Herr Iken, ich beglückwünsche sie zu dieser „Ansichtssache“, die mir aus dem Herzen gesprochen wurde. Nörgler und Kritiker sollten sie nicht irritieren, es zeigt eher, dass sie den Nerv 100- prozentig getroffen haben. Man kann nur hoffen, dass viele Verantwortliche aus der Werbebranche, von Großfirmen aber auch Medienvertreter ihren Artikel gelesen haben. Wiederholungen (mindestens einmal im Jahr) schaden nicht, da sie immer aktuell sind! Manfred Bienert

Vergessen wir einmal die Sprachnörgler, die aus einem 4-Takt-Verbrennungsmotor einen 4-Topf-Zerknalltreibling gemacht haben. Englisch ist in vielen Bereichen der Technik, vor allem in der Elektronik, die internationale Fachsprache. Fachleute jeglicher Nationalität verständigen sich „irrtumsfrei“ in Technikdingen wie die Mediziner mit Latein. Ähnlich ist es in der Textilbranche. Auch dort führt nur die korrekte, englische Bezeichnung für einen textilen Gegenstand zu verbindlichen und unstrittigen Verhältnissen. Meine Kritik wendet sich gegen die scheinheilige Methode der Werbung, Fachausdrücke, selbst wenn sie legitim sind, unkundigen potenziellen Käufern an den Kopf zu werfen. Jedes Jahr tauchen neue Begriffe auf, die den Verbraucher nicht interessieren, weil damit nur der Stand der Technik angezeigt wird, den jeder Produzent ohnehin einhalten muss, um auf dem Markt zu bestehen. Robert Kühn

Eines haben Sie noch vergessen, Herr Iken: Wenn die denglisch parlierende Elite der Marketing-, Medien- und nicht zu vergessen der Betriebswirtsleute sich, gesattelt mit body bags, beim public viewing versammeln, also an einer „Leichenschau“ teilnehmen, dann kann der oder das Event nur noch von einem Ereignis getoppt werden. Das ist total cool! Oder vielleicht doch nur geil oder so oder nicht? Helmut Hoffmann

Sehr geehrter Herr Iken, Sie sprechen mir aus der Seele. Vielleicht ergibt sich für das HA die Möglichkeit, nach Redaktionsschluss für die Serie "Sprechen Sie Hamburgisch?", die mir ausgesprochen gut gefallen hat, eine neue aufzulegen unter dem Titel "Sprechen Sie Deutsch?" und die Leser zu Vorschlägen aufzufordern. Einige Beispiele: Laptop. Dafür läßt sich problemlos "Klapprechner" sagen. Ich bin gelegentlich in einer Bibliothek tätig, die viel von Studenten besucht wird. Wenn ich denen erkläre, daß sie für ihren Klapprechner eine Steckdose unter den Tischen fänden, wissen sie ohne Nachfrage, was gemeint ist. Design. Zu Bauhauszeiten hieß das "Gestaltung" und vereinigte Form und Funktion. Design dagegen gilt oft nur noch der Form; leider, wenn es um die praktische Nutzung geht. Homepage. Da könnte man "Hausseite" sagen, wenn man nur wollte. Schließlich gibt es doch auch Haustarife, Hauszeitungen, Hausmeinungen u.s.w.. Flyer. "Faltblatt" hat auch nur zwei Silben. In vielen Fällen mag der Grund für die Bevorzugung des angelsächsischen Ausdrucks sein, daß dieser kürzer ist. Das gilt sicher nicht für das "Festival", etwa das gerade zuende gegangene SH Musikfestival. Musikfest ist ganze zwei Silben kürzer. (Eine Vergewaltigung der deutschen Sprache gibt es noch, und die fand ich zu meinem Entsetzen unlängst auch im HA. Ich meine das Weglassen des Akkusativ- -en bei Bezeichnungen, die auf -ent, -ant oder -at enden, wie Präsident, Kommandant, Agent, Pirat und so weiter. Wie oft liest man heute etwa .....und begrüßte den Präsident des .... .) Ich würde mich freuen, wenn sich das Abendblatt in dieser Weise gewissermaßen sprachprägend engagieren würde. Dr. Gunter Alfke

Sehr geehrter Herr Iken, BRAVO - Sie haben mir aus der Seele geschrieben! Ich dachte, dass ich gutes Deutsch und Englisch spreche, aber mittlerweile verstehe ich viele Begriffe nicht mehr. Ich habe mich wohl noch nicht "neu definiert"! Doch leider ist auch das Abendblatt nicht ganz frei von dieser neuen Sprachrichtung. So gibt es einen SCREENSERVER u.v.m. Durch meinen Beruf muß ich mich leider öfter diesem schlimmen Trend anpassen, aber innerlich sträubt es mich. Warum mußte ich mich jahrelang mit Grammatik, Regeln usw. in der Schule quälen? Da ich auch noch andere Sprachen erlernte wie Franzöisch und Spanisch, weiß ich, dass die Franzosen z.B. noch ziemlich strikt sind. Erst ganz langsam kommen englische Begriffe in den "Petit Robert". Jedoch nicht nur die Verdummung der Sprache ist heutzutage "IN", sondern auch, dass Reporter, Ansager in Funk u. Fernsehen und in der Werbung mit sprachlichen - wie soll ich es nennen - Unebenheiten "voll im Trend" liegen. Früher mußte man/frau eine Ausbildung und eine klare Aussprache haben. Schade, aber wahrscheinlich bin ich "out" = altmodisch. Da lob ich mir meinen Kater, der mauzt noch deutsch und klar. Da Sie, lieber Herr Iken, noch jünger sind als ich (Baujahr 1952) danke ich Ihnen, dass Sie nicht alle ab 50 Jahre als altmodisch ansehen. Iris Berck-Carlsen

Sehr geehrter Herr Iken, mit diesem Artikel haben Sie wohl vielen Menschen einen großen Gefallen getan. Auch wenn ich zu den "Stockenten" gehöre (mein Bandscheibenvorfall ist durch "richtiges" Nordic-Walking ohne OP fast völlig weg), so ärgere ich mich oft über das viele Denglisch - allerdings auch im HA. Leider ist die Intelligenz nicht größer geworden, so daß Dummheit und Denglisch oft "Hand in Hand" gehen. Das ist auch ein Verfall unserer Kultur, auf die wir eigentlich mal stolz gewesen waren. Ich versuche oft Denglisch zu ignorieren, wobei gesagt sein muß, daß einige Worte schon in den normalen Sprachgebrauch übergegangen sind und auch schlecht in reines Deutsch zu übersetzen sind - Handy, PC/Computer und einige auch von Ihnen schon angeführte Worte. Joachim Rühmeier

Sorry, äh Verzeihung, Herr Iken, Ihre Argumente sind leider von vorgestern und z.T. nur noch peinlich und unter dem Niveau eines stellvertretenden Chefredakteurs. Sie erinnern mich an Politiker, die uns mit Lippenbekenntnissen zu guten Europäern machen wollen, aber sich selber mit föderalem Provinzgeist in ihrer Kleinstaaterei festkrallen. Wie viele Jahre und welche Mühe hat es damals gekostet, in Hamburg die Wegweiser „Innenstadt“ in „City“ umzutaufen. Selbst die seinerzeit geradezu dümmlich argumentierenden Politiker haben schließlich eingesehen, dass es angesichts der Millionen Touristen, die man gern in unsere Stadt lotsen wollte, eine sinnvolle Änderung ist. Unsere Provinzpolitiker, die Kultusminister, haben mit dem „Babylonischen Irrsinn der Rechtschreibreform“ (Focus) und der darin angestrebten Eindeutschung von Fremdwörtern unserer Sprache mehr Schaden zugefügt, als einige – zugegeben – verunglückte „Denglisch“-Begriffe. Wer Charme in Scharm und Coupé in Kupee ändert, ist mit den Aufgaben eines Kultusministers deutlich überfordert. Dazu bedarf es dann gar nicht mehr den Äußerungen eines Politikers, der gegen die Änderung von „ß“ in „ss“ ist, weil das an einen Begriff aus der Nazi-Zeit erinnern könnte. Viel besser ist Ihr Argument aber auch nicht, dass „Anglizismen oft für Tarnen, Tricksen und Täuschen stehen“, belegt mit dem abstrusen Beispiel „Vanilla Latte to go“. Ein Coffee Shop ist nun mal was anderes als ein Kaffee-Geschäft, in dem ja heutzutage auch Unterhosen und Klodeckel (Tchibo) verkauft werden. Das Abendblatt sollte dazu beitragen, eine normale Spracherneuerung zu steuern, statt sich gegen sie zu sträuben. Sollte Ihnen die Redaktion bei der ja nun zwangsläufig nötigen Eindeutschung des Abendblatts folgen (um Ihnen die Peinlichkeit der Heuchelei zu ersparen), bin ich mal gespannt, was Sie aus Begriffen wie E-Paper, Internet, Online-Redaktion und Vertrieb Crossmedia machen. Martin Grudzinski

Sehr geehrter Herr Iken, nachdem ich als Blattkritiker Sie und weitere Kollegen persönlich kennen lernen durfte, lese ich mein Hamburger Abendblatt noch intensiver ausgesucht nach den jeweiligen Autoren der Artikel. So also auch Ihre „Ansichtssache“ in der Wochenendausgabe des HA. Voll auf die zwölf getroffen! Danke! Diese feine Ironie und das soooo nötige Geißeln des Verhunzen unserer deutschen Sprache ist mir voll aus dem Herzen gesprochen. Hermann Schreiber ist ein wunderbarer Verfechter in gleichem Sinn, wie er den Finger in die offene Wunde legt; nun haben Sie mit dem Gewicht des stellvertretenden Chefredakteurs sich des Themas angenommen. Ihre Formulierung zum Wandern = Nordic Walking ist einfach köstlich. Wer könnte besser geeignet sein, als unsere großartige Tageszeitung Hamburger Abendblatt, die Erfinder grausliger, denglischer – unverständlicher - Wortschöpfungen vorzuführen, meinetwegen lächerlich zu machen. Resignieren, damit abfinden, wäre mir unerträglich und gegenüber unseren Enkeln unverantwortlich. Ihnen, denen wäre unsere lebendige, aussagefähige und gepflegte Sprache für alle Zeit verloren; welch ein Verlust! Heute wollte ich ein neues Virenschutzprogramm in meinem PC aktivieren, ich habe es, obwohl der englischen Sprache mächtig, nicht geschafft. Ich habe meinen Schwiegersohn, EDV-Spezialist, zu Hilfe gerufen, er kennt all die künstlichen Begriffe; nun funktioniert das endlich. Ohne denglisch-englisch, wäre das nicht passiert. Achten Sie überall in unserem HA auf diese schlimmen Auswüchse, helfen Sie mit, dass uns noch etwas deutsche Sprache bleibt – dafür bin ich Ihnen dankbar. Machen Sie uns auch in der nächsten Woche – wie schon viele Wochen und Jahrzehnte vorher – ein spannendes, interessantes, lesenswertes Hamburger Abendblatt. Horst Schmidt

Sehr geehrter Herr Iken, mit Ihrem "Denglish"-Artikel haben Sie meinen Nerv getroffen. Es gab schon mal Momente, in denen ich kurz davor war, z.B. die seinerzeit immerhin halbstaatliche DB wegen Hochverrats an der deutschen Sprache zu verklagen. Meiner Meinung nach kann die deutschsprachige Presse durchaus Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Sprache nehmen, wenn sie nicht nur an "Gedenktagen" wie heute auf peinliche Entwicklungen hinweist, sondern täglich und hartnäckig solche Begriffe bloßstellt und statt dessen bewährte Begriffe der deutschen Sprache verwendet. Dabei muss das keineswegs in verkrampften Nationalismus ausarten, wie z.B. "Zerknalltreibling". Das Flugzeug hat es ja auch geschafft, neben dem airplane zu bestehen, wenngleich die Besatzung. Die Sprachgestalter der DB allerdings sollten wir so schnell wie möglich in ihren persönlichen "Cleanspatz" stopfen und im nächsten "DB-Servicepoint" der Müllabfuhr übergeben. Rolf Tonner

Sehr geehrter Herr Iken, Ihr Artikel in obiger Sache hat den Nagel auf dem Kopf getroffen. Anbei ein Vortrag von mir in obiger Sache, den ich kürzlich anlässlich eines Stiftungsfestes gehalten habe gehalten habe. Winfried M. Beck

Sehr geehrter Herr Iken, ich verfolge mit Freude die Diskussion um den Artikel von Matthias Iken. Es scheint doch mehr zu berühren als ich erwartet hatte. Lesen Sie doch mal die Reden oder Gespräche mit Helmut Schmidt nach, eine klare Sprache. Es geht auch ohne Fremdwörter. Das er auch diese das beherrscht steht ja wohl außer Frage. Warum, Herr Iken, fangen Sie nicht mal im eigenen Hause mit einer Aufräumaktion an. Ich erinnere nur an die Vorstellung Ihrer neuen Redaktion. Für viele Leser war das sicherlich nur mit einem Wörterbuch zu verstehen. Ihre Redaktion ist in Hamburg und nicht in New York. Heinz-Werner Schäffer