Wegen Wartungsarbeiten

Abschaltung von AKWs verzögert sich

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Die beiden ältesten Meiler in Deutschland, Neckarwestheim 1 und Biblis A, bleiben vermutlich bis 2010 am Netz. Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Renate Künast, spricht von "miesen Tricks der Atomlobby."

Frankfurt/Main. Die Abschaltung weiterer Kernkraftwerke im Zuge des Atomausstiegs verzögert sich bis nach der Bundestagswahl im September 2009. Die beiden ältesten Meiler in Deutschland, Neckarwestheim 1 und Biblis A, bleiben vermutlich bis 2010 am Netz. Sprecher der Energieversorger EnBW und RWE bestätigten am Sonnabend, dass planmäßig Wartungsarbeiten bereits durchgeführt werden beziehungsweise noch durchgeführt werden müssen. Daher verzögere sich der ursprünglich berechnete Stilllegungstermin.

Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Renate Künast, sprach in der "Welt am Sonntag" von "miesen Tricks der Atomlobby". Die Betreiber zögerten die Stilllegung durch Wartungsarbeiten künstlich hinaus, weil sie auf einen Richtungswechsel der nächsten Bundesregierung in der Atompolitik spekulierten.

RWE-Chef Jürgen Großmann hatte bereits Ende vergangenen Jahres in einem "Spiegel"-Interview erklärt, sein Unternehmen werde in dieser Legislaturperiode kein Atomkraftwerk abschalten. Der umstrittene Reaktor in Biblis könne so gefahren werden, "dass wir mit den Restlaufzeiten über die nächste Bundestagswahl kommen". Danach gebe es vielleicht ein anderes Denken in Bevölkerung und Regierung.

Biblis A ging 1975 ans Netz und ist damit der älteste Atomreaktor in Deutschland. Er soll zwischen dem 27. Februar und 15. September 2009 für eine Revision vom Netz genommen werden, wie eine RWE-Sprecherin erklärte und damit einen Bericht der "Welt am Sonntag" bestätigte. Sie betonte, dass diese Revision schon im Januar angekündigt worden sei. Die genehmigte Reststrommenge von Biblis A reicht demnach jetzt bis mindestens Frühjahr 2010.

Neckarwestheim 1 ist seit 1976 am Netz. Derzeit läuft bei dem Reaktor eine "planmäßige Revision, in deren Rahmen aufwendige Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden müssen", sagte EnBW-Sprecher Dirk Ommeln der AP. "Auch deswegen rechnen wir im Moment damit, dass Neckarwestheim Anfang 2010 noch am Netz sein wird."

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums verwies Anfrage darauf, dass beim Gesetz über den Atomausstieg von 2002 die Restlaufzeit der Kraftwerke nicht nach Jahren, sondern nach Strommengen berechnet wurde. Steht ein Meiler wegen Wartungsarbeiten still und wird deswegen kein Strom produziert, verlängert sich damit automatisch die Laufzeit, bis die Reststrommenge produziert wurde.

Aus dem Atomkonsens ergeben sich durchschnittliche Laufzeiten von 32 Jahren seit Inbetriebnahme der Kraftwerke. Die Meiler in Stade und Obrigheim gingen danach planmäßig 2003 und 2005 vom Netz. Von den noch produzierenden 17 Atomkraftwerken in fünf Bundesländern dürfte das letzte nach dieser Berechnung etwa 2021 abgeschaltet werden.

Die meisten Atomkraftwerke gibt es mit fünf in Bayern (Isar 1 und 2, Gundremmingen B und C, Grafenrheinfeld), gefolgt von Baden-Württemberg mit vier (Neckarwestheim 1 und 2, Philippsburg 1 und 2). Je drei Anlagen stehen in Schleswig-Holstein ( Brunsbüttel , Brokdorf und Krümmel) und in Niedersachsen (Unterweser, Grohnde, Emsland). In Hessen stehen mit Biblis A und Biblis B zwei Atomanlagen.

( ap )