Milliardenhilfe für Kliniken

Zum Wohle des Patienten - oder?

Für die Versicherten ist es nur eine virtuelle Zahl: 3 200 000 000 Euro. Es könnten auch 6 700 000 000 Euro sein. Zwischen beiden Größen entspannt...

Für die Versicherten ist es nur eine virtuelle Zahl: 3 200 000 000 Euro. Es könnten auch 6 700 000 000 Euro sein. Zwischen beiden Größen entspannt sich ein Streit, der politisch, sogar auf der Straße, aber hoffentlich nicht am Krankenbett ausgetragen wird. Das eine ist das, was die Große Koalition für die Krankenhäuser bereitstellen will. Wohlgemerkt: das Geld der Versicherten. Sie zahlen künftig höhere Beiträge. Und das andere ist das, was Ärzte, Verbände, Krankenhäuser für nötig halten. Unnötig zu sagen, wer auch das schultern müsste.

Wer krank ist, will Hilfe, die beste Medizin, die optimale Zuwendung. Es ist keine Mär, dass das mit mehr Geld machbar ist. Ebenso klar und keine Utopie ist: Jedes fünfte deutsche Krankenhaus wird in den nächsten Jahren schließen, zu Fuß wird kaum noch jemand die Klinik erreichen, es wird Spezialisierungen geben, weitere Sparmaßnahmen. Krankenkassen werden mit Kliniken Verträge abschließen, vermehrt ambulante Leistungen anbieten.

Private Anbieter wie Asklepios werden sich wie in Hamburg größere Marktanteile erobern. Sie haben eine Einkaufsmacht, straffen die Abläufe, sparen dort, wo es die öffentlichen Häuser nicht können, bieten den Privatversicherten Leistungen à la Business Class. Und sie ziehen mit Extraprämien für Mitarbeiter gute Ärzte an.

Dabei sind die Deutschen durchaus bereit, mehr für die Gesundheit auszugeben - allerdings nicht für ein System, das wie eine Black Box funktioniert: vorne Geld rein, hinten irgendwas heraus. Fürchten muss man auch, dass sich auf dem Krankenhausmarkt Oligopole ausbreiten, die den geknebelten Patienten gar keine Wahl mehr lassen. Der Wettbewerb - oder das, was die Politik dafür hält - hat gerade erst begonnen. In Zukunft drohen sich Kassen, Kliniken und Praxisärzte zu zerfleischen. Ob eine Koalition das zum Wohle der Patienten verhindern kann, ist fraglich.