Hochdruck auf der Station: Wehe, wenn eine Schwester krank wird

Weniger Pflegepersonal für mehr Patienten, höherer Verwaltungsaufwand statt Zeit für die Kranken, schlechtere Bezahlung für mehr Arbeit. Sabrina...

Hamburg. Weniger Pflegepersonal für mehr Patienten, höherer Verwaltungsaufwand statt Zeit für die Kranken, schlechtere Bezahlung für mehr Arbeit. Sabrina Müller (44, Name von der Redaktion geändert) arbeitet seit 20 Jahren als Krankenschwester in der kardiologischen Abteilung einer Hamburger Klinik. Sie weiß, wovon sie spricht, wenn sie die Arbeitsbedingungen beklagt, die sich in der Vergangenheit kontinuierlich verschlechtert haben. "Früher sind wir Krankenschwestern ausschließlich für die Grundversorgung der Patienten zuständig gewesen", erinnert sich die Mutter von zwei fast erwachsenen Kindern, die 30 bis 32 Stunden in der Woche arbeitet. "Wir haben sie medizinisch versorgt, ihnen beim Essen und Waschen geholfen und Trost zugesprochen." Heute bestehe ein großer Teil ihrer Arbeit aus Dokumentation, Organisation und dem Bedienen der immer komplizierteren technischen Geräte.

"Außerdem werden viel mehr Patienten aufgenommen als früher", sagt Sabrina Müller. Fast immer litten die Infarktpatienten zusätzlich an Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Übergewicht - das erfordere verschiedene zusätzliche Untersuchungen. Zeit, eine vertrauensvolle Beziehung zu den Kranken aufzubauen, bleibe kaum. Früher war das möglich, da seien die Patienten sechs Wochen lang geblieben - heute dauert ihr Aufenthalt nur noch sieben Tage.

Immer mehr Arbeit werde auf immer weniger Schultern verteilt, so die Krankenschwester. Fünf Schwestern seien auf ihrer Station eingeplant. "Wenn mal zwei krank sind, wissen wir anderen nicht mehr, wo uns der Kopf steht", sagt Sabrina Müller. "Dann haben wir keine Zeit, aufs Klo zu gehen, etwas zu essen - geschweige denn, mal eine kurze Pause zu machen."

Freizeit sei wegen der Schichtdienste kaum planbar. Gerade heute hat Sabrina Müller wieder ab sieben Uhr Frühdienst gehabt, dabei war sie gestern mit der Spätschicht dran und konnte das Krankenhaus erst um 21 Uhr verlassen. "Schichtdienste und spontane Mehrarbeit waren auch früher schon an der Tagesordnung", sagt die Krankenschwester, "doch heute werden wir dafür viel schlechter bezahlt." 1450 Euro netto verdient sie im Monat - einschließlich aller Zulagen. Trotzdem, sagt Sabina Müller, sei sie Krankenschwester mit Leib und Seele und würde diesen Beruf immer wieder ergreifen. Doch sie wünscht sich eine bessere Honorierung. Und mehr Pflegepersonal. "Dann könnten wir", sagt sie, "unsere Arbeit entspannter und patientenorientierter verrichten."