"Anti-Islamisierungs-Kongress" Organisatoren mussten auf den Rhein ausweichen

Friedlicher Protest gegen Europas Rechtsradikale

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Köln erwartet am Wochenende mindestens 40 000 Demonstranten, die den Kongress mit etwa 1000 Teilnehmern nicht hinnehmen wollen.

Köln. Krachend fliegen faustgroße Steine gegen das von "Pro Köln" gemietete Schiff "Moby Dick". Dort wollte die rechtspopulistische Bürgerbewegung am Freitag mit einer Pressekonferenz ihren umstrittenen Anti-Islamisierungs-Kongress einleiten - doch als die Glasscheiben des Schiffes splittern, legt es ab und verschwindet unter den Pfiffen der Kongressgegner rheinabwärts. Für "Pro Köln" lief es bei der Veranstaltung am Freitag von Anfang an nicht gut: Die Demonstranten zeigten deutlich, dass sie den Rechtspopulisten keinen Meter Raum lassen wollten. Bereits am Morgen versammelten sich etwa 100 bis 150 von ihnen mit "Nazis raus"-Transparenten vor dem Bezirksrathaus in Rodenkirchen, wo der Treffpunkt für die Pressekonferenz sein sollte.

Die Kongressgegner hatten zuvor zwei Vertreter von "Pro Köln" daran gehindert, ins Rathaus zu gelangen. Sie warfen mit Farbbeuteln und Eiern nach den beiden Männern. Immer wieder erhoben sich "Haut ab"- und "Schämt euch"-Sprechchöre. Die Polizei bildete schützende Ketten um die Männer. Der Rodenkirchener Bürgeramtsleiter Reiner Lindlahr stellte derweil klar, dass die Rechtspopulisten ohnehin keinen Zutritt bekommen hätten: "Pro Köln hat kein Recht, das Rathaus für eine Pressekonferenz zu nutzen", sagte er. "Wir haben unser Rathaus gesichert."

Die "Moby Dick" mit den Kongressteilnehmern und nur elf Journalisten an Bord stoppte am Mittag nach längerer Fahrt bei Köln-Niehl in der Mitte des Rheines und wurde dort über Stunden von Polizeischiffen geschützt. Kongressteilnehmer gingen in der Nähe der Zoobrücke unter dem Schutz der Polizei von Bord, fanden aber zunächst keine weitere Transportmöglichkeit.

Die eigentlich geplante Bustour der Rechtspopulisten durch verschiedene Stadtteile Kölns untersagte die Polizei am Nachmittag. "Wir wollen diese Provokation unterbinden", sagte der Polizeisprecher. "Das erscheint uns zu gefährlich." Zudem seien auch die Busfahrer bereits davongefahren. Ursprünglich wollte "Pro Köln" bei der Tour unter anderem zu dem Ort der in Köln-Ehrenfeld geplanten neuen Moschee fahren, gegen die sie sich mit dem Kongress wenden. In Ehrenfeld versammelten sich stattdessen mehrere Hundert Kölner, um gegen den Anti-Islamisierungs-Kongress zu protestieren. Mit einer Menschenkette und bunten Luftballons demonstrierten die Menschen dort für kulturelle Vielfalt und gegen Rassismus. Ali Kizilkaya, Sprecher des Koordinationsrates der Muslime, sagte: "Es freut uns Muslime, diese Solidarität hier zu erfahren." Für den nordrhein-westfälischen Integrationsminister Armin Laschet ist nun klar, dass für "Pro Köln" die Veranstaltung ins Gegenteil umgeschlagen sei. "Die Maske ist herunter", sagte Laschet: "Das ist keine bürgerliche Gruppe, das ist eine rechtsradikale Gruppe."

Der Höhepunkt des Kongresses steht allerdings noch bevor. Das soll eine Kundgebung an diesem Sonnabend in der Innenstadt sein. 1000 bis 1500 Kongressteilnehmer aus ganz Europa werden dort auf bis zu 40 000 Gegendemonstranten treffen. Angekündigt hat sich auch der Fraktionsvorsitzende der rechtsextremen belgischen Partei Vlaams Belang, Filip Dewinter. (AP/HA)