Betreuung: Kritik der Pflegevertreter

Langzeitarbeitslose betreuen Demenzkranke

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Künftig sollen mehrere tausend Langzeitarbeitslose Demenzkranke in Pflegeheimen betreuen. Sie sollen die geistig verwirrten Menschen füttern, ihnen vorlesen oder mit ihnen spazieren gehen, wie der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater, sagte.

Insgesamt würden 10.000 Betreuer benötigt. Das mit der Bundesagentur für Arbeit verabredete und in der Gesundheitsreform festgelegte Programm solle am 1. September starten. Der Sprecher bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung".

Auf diese Weise solle den Demenzkranken ein "humanerer Alltag" ermöglicht werden, sagte Vater. Der Bedarf sei da. Er betonte, die Langzeitarbeitslosen würden nicht zu Pflegeleistungen hinzugezogen, da dafür eine spezielle Ausbildung nötig sei, sondern ihnen würden nur Betreuungsaufgaben zugewiesen. Der Sprecher wies darauf hin, es gebe rund 15 000 arbeitslose Pfleger. Die Pflegekassen würden die Kosten tragen. Ihre Höhe konnte er nicht beziffern.

Laut "Süddeutscher Zeitung" dürfen nach dem neuen Pflegegesetz Heime für diese Bewohner zusätzliches Personal einstellen. Derzeit würden überall in Deutschland Bewerberpools gebildet, sagte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit den Angaben zufolge. Teilnehmen könne jeder, der sich für die Arbeit in einem Heim interessiere und für eine Weiterbildung infrage komme.

Pflegevertreter kritisierten die Pläne der BA scharf. "Man kann nicht jeden in so einen Beruf schicken", sagte der Münchner Pflegeexperte Claus Fussek der "Süddeutschen Zeitung". Die pflegepolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Elisabeth Scharfenberg, sagte: "Man muss sich für diesen Beruf entscheiden, und kann nicht hinein-entschieden werden".

Die Arbeitslosen sollen offenbar nur eine Kurzausbildung bekommen, wie die Zeitung weiter berichtete. Ein Entwurf des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), der dem Blatt vorliegt, sieht 160 Stunden Unterricht und einige Praktika vor. Vergleichbare Lehrgänge in der Vergangenheit hätten 900 Stunden Schulung vorgesehen, kritisierte ein Sprecher der Deutschen Alzheimergesellschaft.

Unionsfraktionschef Volker Kauder begrüßte die umstrittenen Pläne dagegen. "Wenn die Menschen für diese Aufgabe qualifiziert sind, ist das in Ordnung", sagte Kauder der "Bild am Sonntag".

( ap )