Tarifstreit: Arbeitskampf wird erweitert

Ver.di droht mit Warnstreiks an deutschen Flughäfen

Der Tarifstreit im öffentlichen Dienst könnte in den nächsten Tagen den Luftverkehr in Deutschland massiv beeinträchtigen.

Berlin/Hannover. Der Tarifstreit im öffentlichen Dienst könnte in den nächsten Tagen den Luftverkehr in Deutschland massiv beeinträchtigen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di plant, auch die Flughäfen in die Warnstreiks einzubeziehen. Es liefen "überall Vorbereitungen", sagte Ver.di-Sprecherin Martina Sönnichsen. Einzelheiten wollte sie nicht nennen. In Hamburg und Schleswig-Holstein sollen ab heute Kitas bestreikt werden.

Weder dementieren noch bestätigen wollte Ver.di einen Bericht der "Neuen Presse" in Hannover, wonach fast alle deutschen Flughäfen in der Hauptverkehrszeit lahmgelegt werden sollen. Möglicherweise müsse sogar der Luftraum über Deutschland aus Sicherheitsgründen gesperrt werden, hieß es. Nicht betroffen wären Flughäfen mit Haustarifverträgen, also Dresden, Leipzig und Bremen.

Falls angestellte Bundespolizisten streikten, könnte wegen der fehlenden Sicherheitskontrolle niemand mehr an Bord. Sollten Flugzeugabfertiger die Arbeit niederlegen, würden die Maschinen nicht betankt und rangiert. Falls sich auch die Feuerwehr beteilige, müsste sogar der gesamte Flugbetrieb ruhen.

In Nordrhein-Westfalen werden von Mittwoch an der Nahverkehr, Kitas, Krankenhäuser und Stadtreinigungen von Warnstreiks betroffen sein. Der Verhandlungsführer der Kommunen, Thomas Böhle, sagte der "Financial Times Deutschland": "Primär sind die Bürger betroffen. Die Kommunen sparen sogar partiell - weil sie während des Streiks kein Gehalt zahlen müssen." Lediglich bei den Krankenhäusern drohten hohe Einnahmeverluste: "Bei einem 500-Betten-Haus kostet ein Streiktag 50 000 Euro."

In Berlin soll der Nahverkehr von Mittwoch an durch einen unbefristeten Streik lahmgelegt werden. Es sollen alle Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen in den Depots bleiben. Lediglich S-Bahnen und Regionalbahnen fahren dann noch.

Bisher gab es keine Annäherung zwischen den Tarifpartnern. Für die 1,3 Millionen Angestellten des Bundes und der Kommunen fordern Ver.di und der Beamtenbund acht Prozent höhere Gehälter, mindestens aber 200 Euro mehr im Monat.