Artenschutz: Molch, Wachtelkönig oder Käfer haben schon oft für Streit gesorgt

Wenn kleine Tiere Großprojekte stoppen

Die Hufeisennase steht der Elbtalbrücke im Weg. Der Flughafen in Frankfurt musste für eine Larve des Hirschkäfers gleich 10 000 Euro zahlen.

Hamburg. Kamm-Molch oder Mopsfledermaus waren als äußerst unauffällige Mitbewohner unserer Landstriche früher nur Biologen ein Begriff. Mittlerweile sind derartige Tiere auch dem Normalbürger vertraut - aus spektakulären Gerichtsurteilen.

Ob Hufeisennase gegen Dresdener Waldschlösschenbrücke, Löffelente gegen Hamburger Dasa-Werke, Wachtelkönig gegen Autobahn: In ganz Deutschland haben bedrohte Tierarten die Planungen von Politikern und Investoren für Großbauprojekte durchkreuzt. Immer wieder mussten Baggerkolonnen gestoppt werden.

Wie berichtet, wurde letzte Woche in Dresden der Baubeginn für die umstrittene Waldschlösschenbrücke über das als Unesco-Welterbe eingestufte Elbtal vorerst verhindert - nicht aus ästhetischen Motiven, sondern wegen der Kleinen Hufeisennase. Die Naturschutzverbände Grüne Liga, Nabu und BUND Sachsen hatten sich für den Schutz des vier Zentimeter kleinen Fledertieres eingesetzt.

Als Vertreter der drei Verbände erklärte Achim Weber, die Kleine Hufeisennase habe gezeigt, wie ökologisch wertvoll das Elbtal sei. Das Gericht gab vier Tage vor Baubeginn ihrem Antrag statt.

Ein Verwandter der Hufeisennase, die Große Mopsfledermaus, sorgte bereits im Frühjahr 2004 bei der Flughafenerweiterung in Frankfurt-Hahn im Hunsrück für einen eingeschränkten Baustopp. "90 Hektar Wald durften nicht gerodet werden. In einem Vergleich wurde der für den Flugbetrieb erforderliche Ausbau angepasst", sagt Rechtsanwältin Joy Hensel.

Beim riesigen Luftkreuz Frankfurt/Main kostete den Flughafenbetreiber Fraport die Umsiedlung einer Hirschkäfer-Brut 70 000 Euro. Erst danach durfte der Wald für den Bau einer 150 Millionen Euro teuren Halle gerodet werden. Im Mai 2006 schlüpften daraufhin ganze sieben Käferlarven.

Als Symbolvogel des Widerstandes gegen die Ostseeautobahn A 20 galt lange Zeit der Wachtelkönig (Crex crex). Doch was dieses, auch Wiesenralle genannte Tier in Mecklenburg-Vorpommern letztlich nicht verhindern konnte, gelang ihm in Hamburg. Da sein Lebensraum bedroht war, kam am Stadtrand ein größeres Wohnungsprojekt zu Fall. Auf der anderen Elbseite stand das Naturreservat Mühlenberger Loch für einen jahrelangen Streit um den Ausbau des Airbus-Werkes für die Endmontage des Großflugzeuges A380 auf Finkenwerder. Das zugeschüttete Wasserrevier dort bietet mittlerweile für Löffelente und Co. keinen Platz mehr. Dafür musste ein Ersatz-Schutzgebiet gefunden wurden.

In Hessen verzögern Kamm-Molche den Fertigbau der Autobahn A 49 von Kassel Richtung Gießen. Bis zu 12 000 Exemplare bilden in dem Landstrich das größte Vorkommen in Deutschland. Und in Wuppertal formieren sich Gegner eines Gefängnis-Baus im Grünen. Grund: der Kamm-Molch. Gibt es doch seit 1992 eine EU-Verpflichtung, Lebensräume bedrohter Amphibien zu schützen.

In Thüringen behindert eine Wildkatze ebenfalls ein Autobahnprojekt. Für das Katzentier soll ein grüner Korridor zwischen dem Nationalpark Hainich und dem Thüringer Wald geschaffen werden.

Und eine Kolonie Feldhamster blockierte jahrelang einen Gewerbepark in Mainz. In Mannheim wurde die Ausweitung des Messegeländes und der Bau eines Sportparks wegen Hamstern ausgesetzt. In Nordrhein-Westfalen scheiterte 2005 eine Milliarden-Investition in ein Braunkohlewerk bei Köln des Energiekonzerns RWE am Hamster. Das Tierchen wurde darob als "Jobkiller" denunziert.