Urteil: Schnelle Scheidung abgelehnt

Deutsche Richterin: Moslem darf Ehefrau verprügeln

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Maike Röttger

Juristin begründet das "Züchtigungsrecht" des Mannes mit dem Koran. Ein Urteil sorgt bundesweit für Aufregung: Mit Verweis auf den Koran hat eine Familienrichterin in Frankfurt einem prügelnden marokkanischen Ehemann ein "Züchtigungsrecht" zugestanden und eine vorzeitige Scheidung von seiner Frau abgelehnt.

Hamburg/Frankfurt. Ein Urteil sorgt bundesweit für Aufregung: Mit Verweis auf den Koran hat eine Familienrichterin in Frankfurt einem prügelnden marokkanischen Ehemann ein "Züchtigungsrecht" zugestanden und eine vorzeitige Scheidung von seiner Frau abgelehnt.

Die 26-Jährige hatte vor Gericht eine schnelle Härtefallscheidung vor Ablauf der einjährigen Trennungszeit beantragt, nachdem der Ehemann ihr mit Mord gedroht hatte.

Die zuständige Richterin sah darin jedoch keine "unzumutbare Härte". "Beide Parteien stammen aus dem marokkanischen Kulturkreis", schrieb die Richterin an die Rechtsanwältin Barbara Becker-Rojczyk, die die Frau vertritt. "Für diesen Kulturkreis ist es nicht unüblich, dass der Mann gegenüber der Frau ein Züchtigungsrecht ausübt." Damit habe die in Deutschland geborene Frau, die auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, rechnen müssen, als sie ihren in Marokko aufgewachsenen Mann heiratete, so die Richterin. Die beiden hatten sich 2001 nach islamischem Ritus in Marokko das Jawort gegeben.

Als die Rechtsanwältin einen Befangenheitsantrag stellte, begründete die Richterin ihre Antwort in einer "Dienstlichen Erklärung" ausdrücklich nicht mit einem Gesetz, sondern mit dem Koran: "Koran 4.34 enthält neben dem Züchtigungsrecht des Mannes gegenüber der ungehorsamen Ehefrau auch die Feststellung der Überlegenheit des Mannes gegenüber der Frau." Im Koran sei "die Ehre des Mannes, einfach ausgedrückt, an die Keuschheit der Frau angebunden". Damit erfülle "für einen islamisch erzogenen Mann das Leben einer Frau nach westlichen Kulturregeln bereits diesen Tatbestand der Ehrverletzung". Die Richterin betonte, dass es "andere Schutzmechanismen" im deutschen Recht für die geschlagene Frau gebe. Im Januar etwa habe sie die Anordnung, dass der Moslem nicht mit seiner Frau und den beiden Kindern in einer Wohnung leben darf, um sechs Monate verlängert.

Gestern schließlich, nach Bekanntwerden des Falles in der "Frankfurter Rundschau" und "Spiegel online", gab das Amtsgericht dem Antrag auf Befangenheit statt - der Richterin wurde der Fall entzogen. Dass mit dem Koran eine gerichtliche Entscheidung in Deutschland begründet wird, hat Anwältin Barbara Becker-Rojczyk bisher noch nicht erlebt. Zwar wird ausländisches Familienrecht in Deutschland durchaus angewendet, wenn etwa beide Partner aus dem Ausland stammen und dort auch geheiratet haben, aber das gelte nicht für ihre Mandantin, sagt Barbara Becker-Rojczyk. "Sie ist Deutsche und lebt in Deutschland!"

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