Vor 60 Jahren in Nürnberg: Nazi-Größen wird der Prozeß gemacht

| Lesedauer: 3 Minuten
Klaus Tscharnke

Nürnberg. Die einen galten als enge Weggefährten Hitlers, andere als verlängerte Arme des Nazi-Führers - tief verstrickt in die Verbrechen des Nazi-Regimes aber waren sie alle gleichermaßen: Mit dem Beginn der Nürnberger Prozesse an diesem Sonntag (20. November) vor 60 Jahren hatten sich 22 von 24 Hauptkriegsverbrechern Nazi-Deutschlands vor der Welt für ihre Untaten zu verantworten. Einer, Martin Bormann, war untergetaucht, ein anderer, Robert Ley, hatte vor Prozeßbeginn Selbstmord begangen.

Stellvertretend für die Weltgemeinschaft saßen in Nürnberg die vier alliierten Siegermächte USA, Sowjetunion, England und Frankreich über die angeklagten Hitler-Schergen zu Gericht, darunter auch Reichsmarschall Hermann Göring und Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß. Aber nicht allein die Greueltaten der Nazis, die bei dem Prozeß geahndet werden sollten, machten das Verfahren des Internationalen Militärgerichtshofs (IMT) zu einem weltweit beachteten Ereignis. Für nicht minder bedeutsam halten Rechtshistoriker den Umstand, daß erstmals in der Geschichte der Menschheit Staatsführer für die von ihnen befohlenen Verbrechen persönlich zur Verantwortung gezogen wurden.

Tatsächlich machte das bei den Nürnberger Prozessen erstmals völkerrechtlich angewandte Prinzip der persönlichen Haftung bald schon weltweit Schule: Am 11. Dezember 1946 erklärten die Vereinten Nationen das bei den Prozessen angewandte Recht zum Völkerrecht. Noch heute sprechen Juristen weltweit von den "Nuremberg Principles".

Allerdings bedurfte es zäher Verhandlungen der westlichen Alliierten, um auch die Sowjetunion von der Notwendigkeit eines fairen Prozesses nach angloamerikanischem Recht gegen die NS-Führungsriege zu überzeugen. Die Moskauer Führung hatte eher an einen Schauprozeß gedacht, bei dem die Todesstrafe von vornherein festgestanden hätte. Auch kostete es die USA viel Verhandlungsgeschick, um das in der amerikanischen Zone gelegene Nürnberg als Schauplatz des Prozesses gegen sowjetische Widerstände durchzusetzen.

Für Nürnberg hatte nicht zuletzt der in den Bombennächten unversehrt gebliebene Justizpalast an der Fürther Straße gesprochen. Mit seinen 530 Büros und rund 80 Sälen bot er ausreichend Platz für die rund 1000 Prozeßmitarbeiter. Zudem gab es eine direkte unterirdische Verbindung zu dem benachbarten Gefängnistrakt. Auch der Umstand, daß Nürnberg während der NS-Herrschaft als Ort der NSDAP-Reichsparteitage eine große Bedeutung im "Dritten Reich" hatte, hat nach Einschätzung von Historikern eine Rolle bei der Wahl des Prozeßortes gespielt.

Gleich zu Beginn der Prozesse untermauerte der US-Chefankläger Robert H. Jackson seine vier Anklagepunkte - Verschwörung gegen den Weltfrieden, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit - mit harten Fakten: Ein im Gerichtssaal gezeigter Film verdeutlichte das von den Alliierten in den Nazi-Konzentrationslagern angetroffene Grauen. Alle Angeklagten erklärten sich dennoch nicht schuldig. Einige klagten sich später im Prozeßverlauf selbst an. Nach nur elf Monaten verlas das Gericht die Urteile: zwölfmal Tod durch den Strang, dreimal lebenslänglich, vier Freiheitsstrafen von zehn bis 20 Jahren, drei Freisprüche.

( dpa )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Deutschland