Rückbesinnung auf Gott

Kommentar

Eines kann man Hamburgs Bischöfin Maria Jepsen gewiss nicht vorwerfen: dass sie sich auf ihren Lorbeeren ausruhen will. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Als Bischöfin für gesellschaftliche Randgruppen hatte sie vor zehn Jahren begonnen und trotz aller Kritik zunehmend Anerkennung gefunden. Das hatte sie nicht zuletzt ihrer zugleich sanften wie durchsetzungsstarken Art zu danken. Vom Unternehmenschef bis zum Politiker wurde verstanden, dass diese Frau es ernst meinte, eine Charakterqualität, die vor allem im politischen Alltagsgeschäft immer seltener anzutreffen ist. Und nun der Kurswechsel. Die ureigenen Anliegen der Kirche seien zu kurz gekommen, erklärte die Bischöfin selbstkritisch. Es gelte, sich wieder auf theologische Inhalte, auf Glaubensfragen, zu konzentrieren. Nicht alle in der evangelischen Kirche werden mit der Rückbesinnung auf Gott, Jesu und die Bibel, wie sie Maria Jepsen fordert, zurechtkommen. Zu sehr und zu bequem hatte sich mancher Pastor im Zeitgeist der Moderne eingerichtet - mit dem Ergebnis religiöser Defizite. Wenn Maria Jepsen jetzt die Reißleine zieht, unterstreicht das nur, wie ernst es um die Kirche steht.