Schlagworte stören die Integration

K O M M E N T A R

Wer als Politiker für Aufregung sorgen will, muss nur eines tun: Er muss Reizworte verwenden - sofort geraten die Gemüter in Wallung. In der Zuwanderungsdebatte schaffte das Unionsmann Friedrich Merz vor zwei Jahren mit dem lautstarken Ruf nach Beachtung einer deutschen "Leitkultur". Nun spielt Bundesinnenminister Otto Schily den sozialdemokratischen Merz mit der Bemerkung, die beste Form der Integration von Ausländern sei die "Assimilierung". Und wieder bricht eine Debatte los, die so aufgeregt wie letztlich sinnlos ist. Denn sie hält sich an vieldeutigen Begriffen auf und kommt deshalb nicht zum Kern der Sache. In Deutschland wird zwar viel über die Integration von Ausländern debattiert. Aber meistens wird um den heißen Brei herumgeredet. Denn kaum einer sagt, was Integration konkret bedeuten soll und der Staat zu ihrer Förderung genau tun müsste. Kaum einer sagt aber auch, wie weit sich Ausländer hiesigen Lebensverhältnissen angleichen sollen oder womöglich sogar müssen, wenn sie ihre Lebens- und Berufschancen hier nicht mindern wollen. Darüber zu reden ist nötig, aber in Schlagworten nicht möglich, weil sie das Debattenklima leicht vergiften.