Eklat in Bayern: Finanzamt pfändete Strauß-Mausoleum

München. 15 Jahre nach dem Tod von Franz Josef Strauß haben die bayerischen Finanzbehörden für einen beispiellosen Eklat gesorgt. Sie pfändeten zeitweilig die Familiengruft in Rott am Inn, wo der frühere Ministerpräsident und CSU-Chef an der Seite seiner Frau Marianne seine letzte Ruhe gefunden hat. Erst nach einem Proteststurm führender CSU-Politiker wurde die Entscheidung gestern Abend wieder rückgängig gemacht.

Der Pfändungsbeschluss stand im Zusammenhang mit dem Augsburger Steuer-Strafprozess gegen den Strauß-Sohn Max (44), dem das Mausoleum zur Hälfte gehört. Laut Medienberichten pfändeten die Steuerfahnder auch seine Villa in München. Die Steuerschulden sollen mehr als 2,5 Millionen Euro betragen.

Strauß' Familie reagierte entsetzt auf die Gruft-Pfändung. Die Schwester von Max Strauß, Bayerns Kultusministerin Marianne Hohlmeier (CSU), sagte, sie sei "menschlich zutiefst betroffen". Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), der von Hohlmeier vor zwei Wochen über die Pfändung informiert worden war, kritisierte das Vorgehen als "pietätlos". Landtagspräsident Alois Glück (CSU) sagte, die Entscheidung sei "unerträglich". Sie demonstriere nicht die Unabhängigkeit der Behörden, "sondern einen erschreckenden Mangel an menschlichem Einfühlungsvermögen, fehlenden Respekt vor den Toten und der Kultur".

Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) versuchte die Wogen zu glätten. Die Finanzverwaltung habe die Grabstelle zwar gepfändet, wolle sie aber nicht versteigern, beteuerte er.

Am Abend gaben dann die Finanzbehörden dem Druck der Regierung nach. Das Münchner Zentralfinanzamt teilte einem Strauß-Vertreter die Aufhebung der Pfändung telefonisch mit.

Das Mausoleum in Rott am Inn ist alter Privatbesitz der Familie von Marianne Strauß. Die Gruft grenzt an die Rotter Klosterkirche, die zu den bedeutendsten Rokoko-Kirchen Europas zählt. Sie ist wie die Strauß-Gruft ein Touristen-Magnet.

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