Schröders Zickzack-Kurs

Kommentar

Nach Gerhard Schröders Wahlsieg anno 1998 genossen die Chef-Wahlkämpfer der SPD weithin Heldenverehrung. Wunder wurden ihnen zugetraut, ihre legendäre "Kampa" galt als Zauberwerkstatt. Jetzt sieht es eher so aus, als verstünden sich Schröders "Kampagneros" allenfalls noch auf das Backen kleiner Brötchen. In gut vier Monaten ist Bundestagswahl. Doch eine Wahlkampfstrategie ist bei der SPD nicht erkennbar. Sie findet keinen Weg aus dem Umfragetief, kein Mittel gegen Stoiber, die Parteispitze ist in Alarmstimmung. Nichts verdeutlicht dies besser als die Sprunghaftigkeit des Kanzlers. Erst wollte er den Wahlkampf auf ein Duell Schröder gegen Stoiber zuspitzen, jetzt will er lieber die inhaltliche Auseinandersetzung suchen. Erst mimte er den Wirtschaftskanzler, jetzt entdeckt er sein Herz für den Sozialstaat. Erst machte er der FDP schöne Augen, jetzt drischt er auf sie ein. Erst vernachlässigte Schröder seine Partei, jetzt appelliert er an ihr "Wir-Gefühl". So agiert keiner, der seiner Sache sicher ist, weiß, was er will und wofür er steht. So agiert einer, dessen Nerven vibrieren. Die Bundestagswahl ist keineswegs entschieden, und Schröder hat sie noch längst nicht verloren. Aber er kann sein Wahlziel leicht verfehlen, wenn er weiterhin seine Klientel irritiert, weil er permanent im Zickzack läuft.