Lohngefälle

Frauen werden schlechter bezahlt als Männer

Deutschland gehört nach wie vor zu den Staaten mit der größten Ungleichheit bei den Gehältern von Männern und Frauen.

Frankfurt/Main. Frauen verdienen in Deutschland deutlich weniger als Männer. Nach Angaben von EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla vergrößerte sich der Rückstand beim durchschnittlichen Stundenlohn 2008 sogar von 22 auf 23 Prozent. "Damit gehört Deutschland nach wie vor zu den Staaten mit der größten Ungleichheit bei der Bezahlung von Männern und Frauen", sagte Spidla der Tageszeitung "Die Welt".

Auch innerhalb der Europäischen Union liegt die Bundesrepublik mit diesem Lohngefälle im hinteren Feld. Nach Angaben des EU-Kommissars sind die Unterschiede bei der Bezahlung von Frauen und Männern nur in Österreich, den Niederlanden, Zypern, Tschechien und Estland noch größer. Mit den 23 Prozent Lohnabstand übertrifft Deutschland auch klar den Durchschnitt aller Mitgliedsstaaten der EU von 17,4 Prozent.

Spidla wies jedoch darauf hin, dass es dabei nicht nur um die unterschiedliche Bezahlung für gleiche Arbeit gehe. Ein wichtiger Grund für die Ungleichheit sei vielmehr auch die hohe Teilzeitquote von Frauen. Der EU-Kommissar appellierte aus diesem Grund an die Arbeitgeber, das Prinzip "gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit" anzuwenden und qualifizierten Frauen den Zugang zu Führungspositionen zu ermöglichen. Schließlich verfügten Frauen im EU-Durchschnitt über eine bessere Ausbildung als Männer, so der EU-Kommissar.

Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Christel Humme nannte die neuen Zahlen einen gesellschaftlichen Skandal und forderte auch gesetzliche Schlussfolgerungen. Für die Grünen sprach Bundesvorstandsmitglied Astrid Rothe-Beinlich von einem Armutszeugnis für die Bundesregierung. Die FDP-Politikerin Ina Lenke sagte, solange die frauenfeindliche Steuerklasse V nicht abgeschafft sei, werde Deutschland die Rote Laterne beim Lohngefälle behalten. Die Linke forderte ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft.

( AP )