Rechtsextremismus

Polizei gelingt Schlag gegen rechte Gruppe "Jagdstaffel DST"

Beamte durchsuchten 31 Privat- und Geschäftsräume in München sowie in Ober- und Niederbayern und stellten 780 Asservate sicher.

München. Das Auftreten der "Jagdstaffel DST“ ist äußerst martialisch. In ihrem Logo führt die rechtsextremistische Gruppierung aus Bayern ein 88-Millimeter-Flakgeschütz aus dem Zweiten Weltkrieg, in Fachkreisen auch als "Acht-Achter“ bezeichnet. Nicht nur, dass die Flugabwehrkanone eine der meist verbreiteten Waffen Adolf Hitlers gegen Panzer und Flugzeuge der Alliierten war, auch der Zahl 88 kommt in Neonazi-Kreisen besondere Bedeutung zu. Sie steht synonym für den Gruß "Heil Hitler“, da der Buchstabe H im Alphabet an achter Stelle steht. Bei einer Großrazzia ist der Polizei und Staatsanwaltschaft nun ein empfindlicher Schlag gegen diese Gruppe gelungen.

"Es gibt einige kaputte Türen“, berichtet Münchens Polizeivizepräsident Robert Kopp am Freitag nicht ohne Stolz. Rund 350 Beamte durchsuchten am Donnerstagmorgen zeitgleich 31 Privat- und Geschäftsräume in München sowie in Ober- und Niederbayern. Die 16 Beschuldigten hatten keine Zeit, sich gegenseitig vorzuwarnen. Bei der Razzia wurden insgesamt 780 Asservate sichergestellt - darunter Schusswaffen, scharfe Munition, Schlagringe, Messer und NS-Devotionalien – alles in allem 5800 Einzelteile.

+++ Im Visier des Verfassungsschutzes +++

"Jeder Aufwand ist gerechtfertigt, um Straftaten von Rechtsextremisten zu verhindern“, betont Kopp. Im Großraum München müssten rund 200 Personen dem rechtsextremistischen Spektrum zugerechnet werden. Etwa die Hälfte davon sei gewaltbereit. Die knapp 20 Mitglieder der "Jagdstaffel DST“ gehörten wohl alle dazu. Auch zur Neonazi-Gruppe "Freies Netz Süd“ gebe es Verbindungen.

Gruppenhierachie wie bei Motorradrockern

Bereits seit 2010 hat die Polizei die "Jagdstaffel DST“, die zunächst unter dem Namen "Jagdstaffel Süd“ firmierte, im Visier, erläutert Kopp. Die rechtsextremistische Gruppierung habe sich 2009 aus ehemaligen Mitgliedern der Skinheadszene gegründet. Seit Ende 2011 werde intensiv gegen die Gruppe ermittelt. Ihr Auftreten ähnelt dem von Rockergruppen. Sie tragen einheitliche schwarze Lederwesten mit Gruppenlogo und verfügen über eine ähnliche Hierarchie. So gebe es einfach Mitglieder, aber auch sogenannte Amtsträger wie etwa einen Präsidenten oder einen "Seargant of Arms“, also einen Waffen-Beauftragten.

Auf ihrer Internetseite bezeichnet sich die "Jagdstaffel DST“, wobei DST für deutsch, stolz und treu steht, als "selektive Bruderschaft“. Man sei keine politische Gruppe oder Partei. Abgebildet sind dort Fotos, die die Mitglieder bei Trinkgelagen oder Ausflügen zeigen – etwa zum mittlerweile aufgelösten Grab von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß nach Wunsiedel oder zur Hitlers "Wunderwaffe“, der V-1 Rakete, nach Peenemünde.

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt nun gegen 16 Personen zwischen 20 und 32 Jahren wegen des Verdachts des unerlaubten Waffenerwerbs und Waffenbesitzes, wie ihr Sprecher Peter Preuß erläutert. Nach ersten Vernehmungen mussten diese Mitglieder der "Jagdstaffel DST“ aus den Regionen München, Geretsried und Wolfratshausen allerdings wieder auf freien Fuß gesetzt werden, auch wenn einige von ihnen wegen Körperverletzung und Waffendelikten einschlägig bekannt sind. Die meisten gefundenen Waffen waren nicht illegal.

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