Bahn will bei Stuttgart 21 weiterbauen und Fakten schaffen

Stuttgart. Bahnchef Rüdiger Grube will trotz des Widerstands der grün-roten Regierung in Baden-Württemberg und drohender neuer Bürgerproteste Stuttgart 21 weiterbauen. Grube kündigte nach einem Treffen des Lenkungskreises mit Vertretern von Grün-Rot gestern in Stuttgart an, dass die Bagger schon bald wieder rollen werden. "Spätestens nächsten Montag werden die Arbeiten fortgesetzt. Stuttgart 21 wird gebaut", sagte Grube dem Radiosender hr-iNFO.

Die Landesregierung widersprach. Bahn und Land seien sich einig gewesen, ein klärendes Gespräch zwischen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in den nächsten sieben Tagen abzuwarten. "Insofern hat Herr Grube etwas voreilig agiert", sagte Regierungssprecher Rudi Hoogvliet. Zuvor hatten sich Grün-Rot und Bahn im Lenkungskreis nicht darauf verständigen können, wie es langfristig mit dem Tiefbahnhof weitergehen soll. Die Landesregierung will einen Bau- und Vergabestopp bis zum geplanten Volksentscheid über Stuttgart 21 im Oktober, lehnt aber eine Übernahme der zusätzlichen Kosten ab.

Der Bau- und Vergabestopp würde 410 Millionen Euro kosten, warnte Grube. Hauptgrund dafür sei, dass die einzelnen Bauvorhaben neu ausgeschrieben werden müssten. Ein Stopp von einem halben Jahr würde die Fertigstellung des Gesamtprojekts um drei Jahre bis 2022 verzögern. Das könne er als Vorstand einer Aktiengesellschaft nicht zulassen, sagte Grube der "Süddeutschen Zeitung". "Das Aktiengesetz verpflichtet mich, Schaden vom Unternehmen fernzuhalten."