Rassismus

Schwarzer Radfahrer in Los Angeles von Polizei erschossen

"Schwarze Kinder sollten nicht in Gefahr leben"

Die Rassismus-Debatte in den USA bewegt auch junge Familien. Eltern versuchen, ihren Kindern zu erklären, wieso schwarze Menschen noch immer diskriminiert werden. Auf einer familienfreundlichen "Black Lives Matter"-Demo in New York malen sie gemeinsam Schilder und laufen durch die Straßen von Brooklyn.

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Die Berichte tödlicher Polizeigewalt aus den USA reißen nicht ab. Nun wurde ein 29-jähriger Afroamerikaner in Los Angeles erschossen.

Washington. Andere Stadt, gleiche Geschichte. Und wieder ist ein Schwarzer tot. Im Süden von Los Angeles ist der 29 Jahre alte Dijon Kizzee nach einer Konfrontation mit der Polizei gestorben.

Nach ersten Angaben des Sheriff-Departements (LASD) durch Lieutenant Brandon Dean war der muskulöse Afroamerikaner mit dem Fahrrad auf der Budlong Avenue unterwegs und verstieß dabei gegen eine Straßenverkehrsvorschrift. Als zwei Streifenbeamte ihn anhalten wollten, ließ Kizzee das Rad fallen und lief davon.

Im Verlauf der Verfolgung schlug er einem der Beamten ins Gesicht. Fast simultan habe der mit einem weißen Unterhemd bekleidete Mann ein Bündel mit Kleidungsstücken fallen lassen. Dabei fiel laut Polizei eine Pistole zu Boden.

Dijon Kizzee: Anwalt berichtet von bis zu 20 Schüssen in den Rücken

Worauf die Cops umgehend das Feuer eröffneten, obwohl Kizzee nach Angaben von Augenzeugen keine Anstalten gemacht habe, die Waffe an sich zu nehmen. Videos von Anwohnern zeigen den leblosen Körper zwischen Autos, Straße und Bürgersteig in einem Wohngebiet der Westmont-Nachbarschaft liegen. Dem Toten wurden aus unerfindlichen Gründen Handschellen angelegt.

Anlieger und Benjamin Crumb, der Anwalt der Familie von Kizzee, berichteten von bis zu 20 Schüssen in den Rücken. Und davon, dass der 29-Jährige über neun Stunden am Tatort unbedeckt zurückgelassen wurden, bevor Sanitäter die Leiche abtransportierten.

Polizei-Aufnahmen von den entscheidenden Sekunden vor der tödlichen Eskalation gibt es nicht. Anders als die reguläre Polizei in Los Angeles (LAPD) hat das Sheriff-Departement bisher keine „Body-Kameras” für seine Officer vorgeschrieben.

Bis Dienstagabend sahen sich die Behörden nicht in der Lage, das Verkehrsdelikt exakt zu beschreiben, dessen Kizzee sich schuldig gemacht haben soll. Auch die Motive Kizzees, Hals über Kopf zu fliehen, sind unbekannt.

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Lafayette, Kenosha, Minneapolis: Immer wieder Polizeigewalt

Die für L.A. zuständige demokratische Kongress-Abgeordnete Karen Bass, die bis vor Kurzem zum Kreis potenzieller Vize-Präsidentschaftskandidatinnen für den demokratischen Trump-Herausforderer Joe Biden gehörte, will wissen: „Welcher Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung ist so schwerwiegend, dass die Polizei Dijon Kizzee anhalten, jagen und unter Beschuss nehmen musste? Und wenn er die Waffe fallen ließ, warum wurde er dann erschossen?”

Nach Bekanntwerden des tödlichen Zwischenfalls, der Ähnlichkeiten mit jüngsten Polizei-Exzessen in Minneapolis,Lafayette und zuletzt Kenosha/Wisconsin aufweist, versammelten sich Dutzende Demonstranten vor der zuständigen Polizeidirektion und forderten Aufklärung und die Entlassung der beteiligten Polizisten.

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Anthony Johnson, ein Onkel des Opfers, berichtete der „Los Angeles Times“, dass er gemeinsam mit Nachbarn die Blutlache seines Neffen vom Bürgersteig entfernt habe. „Sie haben auf ihn geschossen, sie haben ihn getötet. Sie hätten wenigstens nachher saubermachen können”, sagte Johnson in Richtung Polizei.