Skripal-Affäre

Island und Australien vor WM-Boykott in Russland

Wladimir Putin, Präsident von Russland.

Wladimir Putin, Präsident von Russland.

Foto: Mikhail Klimentyev / dpa

Der Streit zwischen London und Moskau wird schärfer. Viele EU-Staaten haben Diplomaten ausgewiesen – Russland will zurückschlagen.

Moskau/London/Berlin.  Nach der Ausweisung russischer Diplomaten aus mehreren EU-Ländern und den USA sowie einer Reihe anderer Staaten will Moskau über Gegenmaßnahmen beraten.

Das Außenministerium und andere Behörden bereiteten bereits Schritte vor, kündigte Kremlsprecher Dmitri Peskow an. Wann diese beschlossen werden, war zunächst nicht bekannt. Die endgültige Entscheidung werde Präsident Wladimir Putin treffen, hieß es.

Es werde Maßnahmen gegen jedes einzelne Land geben, das russische Diplomaten ausweisen will, sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa am Montagabend im russischen Fernsehen.

Skripal und Tochter in stabilem Zustand

Experten gehen davon aus, dass Russland mindestens ebenso viele Diplomaten ausweisen wird. „Die russische Seite ist gut vorbereitet, die Antwort wird sehr schnell kommen“, sagte der Politologe Wladislaw Below der dpa in Moskau. Gleichzeitig könne Moskau auch andere Strategien wählen, meinte der Deutschland-Experte von der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Großbritannien,

USA weisen 60 russische Diplomaten aus
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sowie zahlreiche weitere Länder verwiesen in einer bislang beispiellosen Gemeinschafsaktion russische Diplomaten und Geheimdienstmitarbeiter des Landes. Russische Medien listeten bis Montagabend 23 Länder auf, aus denen 137 Landsleute ausgewiesen wurden. Die Europäische Union ist in der Frage allerdings gespalten. Nachdem Großbritannien 23 russische Diplomaten aufgefordert hatte, das Land zu verlassen, kündigten bis Montagabend 16 weitere EU-Länder Ausweisungen an.

USA weisen 60 russische Diplomaten aus
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Hintergrund ist der Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter. Großbritannien macht Russland dafür verantwortlich. Die Opfer befinden sich in einem kritischen, aber stabilen Zustand.

Island will WM diplomatisch boykottieren

Auch die Nicht-EU-Länder USA, Norwegen, Kanada, die Ukraine sowie auch Mazedonien und Albanien verwiesen Moskauer Diplomaten des Landes. Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja warf den USA wegen der Ausweisung von zwölf russischen UN-Diplomaten Missbrauch des Gastgeber-Rechts vor.

Skripal-Affäre: Europa schließt die Reihen gegen Russland
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Am Dienstag schloss sich Australien als 24. Land an, das russische Diplomaten des Landes verwies. Premier Malcolm Turnbull teilte mit, dass zwei russische Botschaftsangehörige, die der geheimdienstlichen Tätigkeit verdächtigt werden, das Land innerhalb von sieben Tagen zu verlassen hätten. Auch einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland im Sommer schloss die australische Regierung nicht aus.

Island hatte bereits erklärt, die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland diplomatisch zu boykottieren. „Zu den von Island ergriffenen Maßnahmen zählt der vorläufige Aufschub des gesamten bilateralen Dialogs auf hoher Ebene mit russischen Behörden. Als Konsequenz werden isländische Spitzenvertreter diesen Sommer nicht der Fifa-WM in Russland beiwohnen“, teilte das Außenministerium des dünn besiedelten Inselstaats am Montag mit.

Eine „durch nichts begründete Aggression“

Russlands Außenamtssprecherin Sacharowa verurteilte das Vorgehen als rein politische Forderung und russophobe Kampagne. Großbritannien habe den anderen Ländern keine einzige faktenbezogene Information vorgelegt, die eine Schuld Moskaus beweisen würde. Sie warf der EU und den USA zudem eine „durch nichts begründete Aggression vor“, und das zu einer Zeit, in der Russland um die Opfer des Brandes in Kemerowo in Sibirien trauere, bei dem 64 Menschen starben.

„In den Minuten, als alle Russen mit den Opfern der Tragödie von Kemerowo mitfühlten, gab es für sie (EU und USA) nichts Wichtigeres, als neue feindselige Handlungen zu verkünden“, schrieb sie in der Nacht zum Dienstag auf ihrer Facebook-Seite. „Heute haben wir Worte des Mitgefühls gehört, aber zugleich durch nichts begründete Aggression erlebt.“ Dies sei „schwer zu glauben und auch schwer zu vergessen“. (dpa)