Nordkorea umwirbt Deutschland mit Charmeoffensive

Peking. Nordkorea sucht eine stärkere Kooperation mit Deutschland und der Europäischen Union. Die Führung in Pjöngjang sei sogar bereit, „einen offenen Dialog auch über Fragen wie Menschenrechte und die innerkoreanischen Beziehungen zu führen“, berichtete der Vorsitzende der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe des Bundestages, Hartmut Koschyk (CSU), am Donnerstag nach einem sechstägigen Besuch in Nordkorea. Der CSU-Politiker hatte in Pjöngjang unter anderen den Präsidenten der Obersten Volksversammlung, Chae Thae-bok, Vizeaußenminister Ri Kil-song und Vertreter des Zentralkomitees der Arbeiterpartei getroffen.

Nach seinem Eindruck hat Machthaber Kim Jong-un das Ruder offenbar fest in der Hand. „Er ist wieder da“, sagte Koschyk zu Spekulationen über den Gesundheitszustand des jungen Führers, dessen wochenlange Abwesenheit sogar Mutmaßungen über eine Entmachtung ausgelöst hatte. Seine Gesprächspartner hätten ihn durchweg als den „weisen, dynamischen oder auch starken Marschall Kim“ beschrieben. „Er hat vielleicht noch nicht die Machtfülle seines Vaters, aber er ist kein Frühstücksdirektor“, sagte Koschyk, der nach Seoul weiterflog. Dort wird am Freitag auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erwartet. Beide Politiker nehmen am ersten Treffen der südkoreanisch-deutschen Beratergruppe zu außenpolitischen Aspekten der Wiedervereinigung auf der koreanischen Halbinsel teil.

Die „Charmeoffensive“ Nordkoreas gegenüber Deutschland und der EU erfolge vor dem Hintergrund „miserabler Beziehungen“ zu China und erkennbarer Zurückhaltung aufseiten der USA, sagte Koschyk. Vor einem Monat sei der Leiter für internationale Beziehungen der Arbeiterpartei Nordkoreas, Kang Sok-ju, in Europa gewesen. Er habe in Berlin, Rom und Brüssel „intensive Gespräche“ geführt.