Deutschstämmiger will in Rumänien Präsident werden

Bukarest. In Rumänien kandidiert der deutschstämmige Siebenbürger Sachse Klaus Iohannis bei der Wahl im November für das Amt des Staatspräsidenten. Dies beschlossen Iohannis’ Nationalliberale Partei (PNL) sowie die Mitte-rechts-Partei PDL am Montag nach langem Tauziehen. Nach mehreren Umfragen hat Iohannis von allen Oppositionspolitikern Rumäniens die besten Chancen, den Kandidaten der regierenden Sozialisten (PSD), Victor Ponta, zu besiegen.

Iohannis betonte nach seiner Nominierung, er werde bei einem Wahlsieg als Staatspräsident den Westkurs Rumäniens sowie eine unabhängige Justiz garantieren. Die strategische Partnerschaft mit den USA sowie die Zugehörigkeit zu EU und Nato seien Grundsteine der rumänischen Außenpolitik.

Der 55-jährige Iohannis ist seit dem Jahr 2000 Bürgermeister der siebenbürgischen Stadt Sibiu (Hermannstadt) und gilt in dieser Funktion als sehr erfolgreich. Er konnte gute Kontakte zu ausländischen Investoren vor allem aus dem deutschsprachigen Raum und zu den EU-Behörden knüpfen. Iohannis trieb die Altstadtsanierung und die Erneuerung der Infrastruktur in seiner Heimatstadt voran. 2012 wurde er mit knapp 78 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Seit 2013 ist er Mitglied der Partei PNL, seit sechs Wochen ihr Vorsitzender.

Kritiker aus den eigenen Reihen hatten darauf hingewiesen, dass Iohannis wegen seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit sowie als Protestant für die mehrheitlich christlich-orthodoxen, nationalistischen Rumänen als nicht wählbar gelte. Zudem könnten zwei offene Prozesse um angebliche Unregelmäßigkeiten in seiner Amtsführung als Rathauschef seine Glaubwürdigkeit beeinträchtigen, hieß es. Dazu sagte Iohannis, er sehe diesen Prozessen „völlig ruhig“ entgegen.

Die Präsidentenwahl findet am 2. und 16. November statt. Iohannis’ Nachname ist auch in der Schreibweise „Johannis“ bekannt, die einer Familientradition des Politikers entspricht, aber nicht offiziell ist.