Kämpfe in Syrien greifen auf den Libanon über

Beirut/Deir al-Sur. Der syrische Bürgerkrieg ist am Wochenende in bisher nicht gekannter Wucht über ein libanesisches Grenzdorf hereingebrochen. Nach der Festnahme eines verwundeten Kameraden stürmten Kämpfer der extremistischen Nusra-Front am Sonnabend den Ort Arsal. In Gefechten wurden nach Angaben der libanesischen Streitkräfte bis Sonntag acht Soldaten getötet.

In und um Arsal haben Zehntausende syrische Flüchtlinge Zuflucht gesucht. Rebellen nutzen den Ort als Stützpunkt. Die Kämpfe am Wochenende waren die bislang schwersten in der Region. Der libanesische Regierungschef Tammam Salam bezeichnete den Angriff als „abscheuliche Aggression gegen den Staat Libanon“. Das Militär erklärte, es werde keiner Seite erlauben, den Bürgerkrieg von Syrien in den Libanon hineinzutragen.

Im Osten Syriens eroberten Stammeskämpfer unterdessen drei Dörfer von der Terrorgruppe Islamischer Staat zurück. Bei den Gefechten in der ölreichen Provinz Deir al-Sur seien mehr als ein Dutzend Menschen ums Leben gekommen, berichteten Aktivisten. Nach heftigen Kämpfen zogen sich die Extremisten aus drei Dörfern zurück, wie das Syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte berichtete. Kämpfer des Stammes Schueitat eroberten demnach die Ortschaften Kischkijeh, Abbu Hamam und Granidsch. Es war das erste Zeichen örtlichen Widerstands gegen die Extremisten, seit diese große Teile der Provinz in den vergangenen Wochen eingenommen hatten.

Ein früherer Richter des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) hat davor gewarnt, die syrischen Bürgerkriegsverbrechen in Den Haag juristisch zu verfolgen. Der vor zwei Wochen verstorbene Hans-Peter Kaul sagte dem „Berliner Tagesspiegel“ kurz vor seinem Tod, „zum Glück“ hätten China und Russland alle derartigen Initiativen im Uno-Sicherheitsrat gestoppt. In Syrien würden zwar zweifellos „Riesenverbrechen begangen“, das allein rechtfertige aber keine Überweisung an den IStGH, „nur weil dem Sicherheitsrat sonst nichts einfällt“.