Drei vermisste Jugendliche sind tot

Israel droht mit Vergeltung. Hamas warnt, eine Offensive werde „das Tor der Hölle öffnen“

Tel Aviv. Nach dem Fund der Leichen von drei vermissten israelischen Jugendlichen im Westjordanland hat Israel der Hamas eine harte Reaktion angedroht. „Die Hamas ist verantwortlich, und die Hamas wird bezahlen“, sagte Netanjahu am Montag zu Beginn einer Dringlichkeitssitzung seines Sicherheitskabinetts.

Die Leichen von drei Jugendlichen waren zweieinhalb Wochen nach ihrem Verschwinden unter einem Steinhaufen auf einem Feld nordwestlich von Hebron gefunden worden, wie die Armee bestätigte. Schüler einer nahe gelegenen Feldschule, die sich an der breit angelegten Suchaktion beteiligt hatten, seien auf den Steinhaufen unter einem Gebüsch aufmerksam geworden, berichteten israelische Medien.

Israel wirft der radikalislamischen Palästinenserorganisation vor, hinter der Entführung der Jugendlichen am 12. Juni zu stehen. Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri sagte in Gaza: „Die Besatzungsmacht (Israel) wird für jegliche Eskalation die Verantwortung tragen. Netanjahu wolle die Hamas einschüchtern. Er müsse jedoch verstehen, „dass, wenn er Gaza den Krieg erklärt, sich für ihn das Tor zur Hölle öffnet“.

Die Jugendlichen wurden offenbar schon kurz nach der Entführung erschossen. Die Jagd nach den Entführern dauere noch an, berichteten israelische Medien. Der Geheimdienst hat zwei Hamas-Mitglieder als Tatverdächtige genannt. Nach Medienberichten sollen die Häuser ihrer Familien nun zerstört werden.

Rechtsorientierte Abgeordnete forderten ein hartes Vorgehen gegen die Hamas. „Dieses tragische Ende muss auch das Ende der Hamas sein“, sagte Danny Danon von der Regierungspartei Likud. Er forderte eine Militäroperation und einen „tödlichen Schlag“ gegen die Hamas.

Nördlich der Stadt Hebron seien starke Truppenverbände im Einsatz, berichtete der israelische Rundfunk am Montagabend. Es sei zu Schusswechseln mit Palästinensern gekommen. Es sei auch im Gebiet der Kleinstadt Chalchul zu gewaltsamen Konfrontationen zwischen der Armee und Palästinensern gekommen, hieß es. Die Stadt Hebron wurde abgeriegelt.

Seit dem Verschwinden der Jugendlichen auf dem Heimweg am 12. Juni hat die israelische Armee bei Razzien nach eigenen Angaben etwa 420 Palästinenser festgenommen, die meisten davon Hamas-Mitglieder. Der Militäreinsatz stieß nicht nur bei der Palästinenserführung, sondern auch bei den Vereinten Nationen auf Kritik. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte Beweise für die Schuld der Hamas.

Abbas’ Fatah-Bewegung hatte sich kürzlich nach jahrelangem Streit mit der Hamas auf die Bildung einer Einheitsregierung geeinigt. Israel hatte empört auf den Schritt reagiert, da es die Hamas als Terrororganisation betrachtet.