Vier Tote bei Angriff auf Jüdisches Museum in Brüssel

Ein israelisches Paar, eine Französin und ein Belgier erschossen

Brüssel. Nach den tödlichen Schüssen im Jüdischen Museum in Brüssel hat die belgische Polizei unter Hochdruck nach dem mutmaßlichen Täter gefahndet. Die Staatsanwaltschaft rief am Sonntag die Bevölkerung zur Zusammenarbeit mit den Behörden auf. Ein Phantombild des Attentäters, der ein israelisches Touristenpaar, eine Französin und einen jungen Belgier erschoss, sollte später veröffentlicht werden. Der Anschlag löste international Bestürzung aus. Der Täter habe „wahrscheinlich allein“ gehandelt und sei „gut vorbereitet“ gewesen, sagte Vizestaatsanwältin Ine Van Wymersch. Bislang bekannte sich niemand zu der Tat.

Van Wymersch bestätigte, dass es sich bei den Toten um zwei Israelis, eine Französin und einen Belgier handelt. Die Französin habe nach Angaben des Museums ehrenamtlich in dem Haus gearbeitet. Der junge Belgier, ein Mitarbeiter am Museumsempfang, wurde zunächst lebensgefährlich verletzt und starb später im Krankenhaus. Angaben des israelischen Außenministeriums zufolge stammen die getöteten Israelis aus Tel Aviv; es handele sich um einen 54-jährigen Mann und eine 53-jährige Frau. Nach Auffassung von Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu ist die Tat auf eine antisemitische Stimmung in Europa zurückzuführen.

„Diese mörderische Tat ist das Ergebnis einer permanenten Hetze gegen Juden und ihren Staat“, erklärte Netanjahu. In Europa würden „Verunglimpfungen und Lügen“ gegen den Staat Israel verbreitet, während „Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Mordtaten, die in unserer Region begangen werden, systematisch ignoriert werden“, sagte der Regierungschef. In einem Telefonat mit dem belgischen Ministerpräsidenten Elio Di Rupo habe Netanjahu Israels Hilfe bei den Ermittlungen angeboten, erklärte Netanjahus Büro. Israels Präsident Schimon Peres forderte die europäischen Regierungen in einer Erklärung auf, „gegen alle Formen des Antisemitismus (...) vorzugehen“. Vizestaatsanwältin Van Wymersch betonte dagegen, sie könne bislang „nicht bestätigen, dass es eine terroristische oder antisemitische Tat“ sei. Auch Innenministerin Joëlle Milquet hatte sich zurückhaltend zur möglichen Motivlage geäußert, zugleich aber darauf verwiesen, dass der Tatort „nicht unerheblich“ sei.

Augenzeugen berichteten von einem möglichen Komplizen mit Fahrzeug

Die Schüsse fielen am Sonnabendnachmittag im Zentrum von Brüssel. Ein Mann habe das Museum betreten und „ziemlich schnell wahllos das Feuer eröffnet“, erklärte Milquet. Augenzeugen sahen den mutmaßlichen Täter fliehen. Weitere Augenzeugen berichteten von einem möglichen Komplizen mit einem Fahrzeug. Eine zunächst als verdächtig festgenommene „Person“ wurde später als Zeuge befragt und wieder freigelassen. Laut Polizei war sie am Tatort, hatte aber nach eigenen Aussagen nichts mit der Attacke zu tun.

Ministerpräsident Di Rupo äußerte sich „sehr schockiert“ über die Gewalttat. Am Sonntag sagte er: „In Belgien sind wir solche Akte der Barbarei nicht gewohnt.“ Frankreichs Präsident François Hollande sagte bei der Stimmabgabe zur Europawahl, dass es keinen Zweifel am „antisemitischen Charakter“ der Tat gebe. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sprach von einem Angriff „auf die europäischen Werte, den wir nicht tolerieren können“. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland zeigte sich bestürzt über den Anschlag. „Diese abscheuliche Tat hat uns alle sehr erschüttert“, sagte Dieter Graumann.