Ruanda trauert 20 Jahre nach dem Völkermord um seine Opfer

Ban Ki-moon: „Die Uno hätte viel mehr tun müssen“

Kigali. 20 Jahre nach dem beispiellosen Völkermord in Ruanda haben Überlebende im ganzen Land der Opfer gedacht. Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon bezeichnete den Genozid bei einer Zeremonie im Nationalstadion der Hauptstadt Kigali als „einen der dunkelsten Momente in der Geschichte der Menschheit“. Die Massaker von Hutu-Milizen an der ethnischen Tutsi-Minderheit gelten als eines der schwersten Verbrechen aller Zeiten. Innerhalb von 100 Tagen wurden mehr als 800.000 Menschen auf brutalste Weise mit Macheten und Knüppeln ermordet.

Schwere Kritik gibt es bis heute an der Uno, die nicht in den Konflikt eingriff und ihre Blauhelmsoldaten abzog, als die Gewalt bereits begonnen hatte. „Die Uno hätte viel mehr tun können, sie hätte viel mehr tun müssen“, erklärte Ban zum Beginn einer einwöchigen nationalen Trauerzeit. „Eine Generation später lastet die Scham weiter.“ Ruanda habe aber bewiesen, dass Veränderung möglich sei. Der ruandische Präsident Paul Kagame erinnerte daran, dass vor allem die Einteilung der Bevölkerung in eine Hutu-Mehrheit und eine Tutsi-Minderheit für den Völkermord verantwortlich war – diese hatten die belgische Kolonialmacht und französische Missionare vorangetrieben. „Das war das katastrophalste Vermächtnis der europäischen Kontrolle über Ruanda“, sagte er.

Überschattet wurde die Gedenkfeier von einem diplomatischen Streit zwischen den Regierungen in Kigali und Paris. Kagame hatte Frankreich erneut vorgeworfen, eine aktive Rolle bei der Vorbereitung und Ausführung des Völkermords gespielt zu haben. Die französische Justizministerin Christiane Taubira sagte daraufhin ihre Reise zur Gedenkfeier ab. Stattdessen sollte Botschafter Michel Flesch an der Zeremonie teilnehmen. Er wurde allerdings am späten Sonntagabend von ruandischer Seite zur Persona non grata erklärt.

Auslöser des von langer Hand vorbereiteten Genozids war am 6. April 1994 der Abschuss des Flugzeugs, in dem der Hutu-Präsident Juvénal Habyarimana und sein burundischer Amtskollege Cyprien Ntaryamira unterwegs waren. Wer für die Tat verantwortlich war, ist nicht geklärt. Erst Mitte Juli gelang es der Tutsi-Rebellenarmee Kagames, das Land wieder unter Kontrolle zu bringen. Seither regiert er das Land mit eiserner Hand.