Visums-Affäre um indische Konsulin in den USA

Festnahme der Diplomatin führt zu Spannungen zwischen den beiden Staaten

Neu-Delhi. Die Festnahme einer indischen Diplomatin in den USA hat für Verstimmung zwischen beiden Staaten gesorgt. Die Vizegeneralkonsulin in New York, Devyani Khobragade, 39, beklagte in einer in indischen Medien veröffentlichten E-Mail, sie sei trotz ihres Diplomatenstatus wie eine „gewöhnliche Verbrecherin“ behandelt worden. „Ich bin viele Male zusammengebrochen, als ich – trotz meiner andauernden Hinweise auf meine Immunität – Demütigungen ausgesetzt war, wie wiederholt in Handschellen gelegt, zum Ausziehen gezwungen, an Körperöffnungen durchsucht, Abstrichtests unterzogen und dabei gemeinsam mit gewöhnlichen Verbrechern und Drogensüchtigen festgehalten worden zu sein.“ Khobragade war vergangene Woche vor der Schule ihrer Tochter festgenommen worden, weil sie angeblich falsche Angaben darüber gemacht hat, wie viel sie ihrer Haushälterin zahlt, um für diese ein Arbeitsvisum zu bekommen.

Khobragade hat sich zu den Vorwürfen nicht schuldig bekannt und will Einspruch erheben. Wird sie verurteilt, drohen ihr bis zu zehn Jahre Haft wegen Visumsbetrugs und fünf Jahre, weil sie falsche Angaben zur Bezahlung ihrer Haushälterin gemacht haben soll. Der Staatsanwaltschaft zufolge zahlte sie ihrer indischen Haushälterin weniger als 3 Dollar Stundenlohn und nicht 4500 Dollar im Monat, wie sie auf dem Formular angegeben hatte. Sie wurde gegen Kaution von 250.000 Dollar freigelassen, muss sich aber bei der New Yorker Polizei melden.

US-Außenminister John Kerry hat sich am Mittwoch für die Festnahme der Diplomatin in New York entschuldigt. Seine Sprecherin Marie Harf sagte, Kerry habe mit dem indischen Sicherheitsberater Shivshankar Menon gesprochen, der die Behandlung der Diplomatin als „verachtenswert und barbarisch“ bezeichnet hatte. Kerry sei fest davon überzeugt, dass ausländische Diplomaten in den USA respektvoll behandelt werden müssten. Er bedauere den Vorfall und hoffe, er werde die enge Beziehung zu Indien nicht beschädigen.

Seit der Festnahme sind die Spannungen zwischen beiden Staaten jedoch dramatisch gestiegen. Indien hat spezielle Personalausweise für US-Diplomaten zurückgezogen und Sicherheitsabsperrungen um die US-Botschaft in Neu-Delhi abgebaut – angeblich weil diese den Verkehr behinderten. Dort demonstrierten am Mittwoch Dutzende Inder.