Terroranschlag auf Irans Botschaft in Beirut

Zwei Bomben reißen 24 Menschen in den Tod. Al-Qaida-nahes Netz will Libanon destabilisieren

Beirut. Um halb zehn erschütterten am Dienstag innerhalb weniger Minuten zwei Explosionen den Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut. Der Anschlag ereignete sich direkt vor der iranischen Botschaft im Libanon. Mitarbeiter der Sicherheitsdienste erklärten, für die erste Explosion sei ein Selbstmordattentäter verantwortlich. Auf Überwachungskameras sei ein Mann zu sehen, der auf die Mauer der Botschaft zu gerannt sei und sich dort in die Luft gesprengt habe.

Die zweite, wesentlich größere Explosion soll eine Autobombe gewesen sein. Aufnahmen kurz nach den Explosionen zeigten ein schreckliches Bild der Verwüstung: Unter den abziehenden schwarzen Rauchwolken waren brennende Autos zu sehen. Das Tor zur Botschaft war von der Explosion hinweggefegt, das dreistöckige Gebäude beschädigt worden.

Mindestens 24 Menschen sollen bei dem Anschlag ihr Leben verloren haben, mehr als 150 wurden verletzt. Die Krankenhäuser der Umgebung baten um zusätzliche Blutspenden. Unter den Toten soll nach einem Bericht des arabischsprachigen iranischen Fernsehsenders al-Alam auch der iranische Kulturattaché sein.

Nur Stunden später bekannte sich eine al-Qaida nahestehende Extremistengruppe zu dem Anschlag. Die Abdullah-Assam-Brigaden steckten hinter dem Angriff, teilte der zu der Gruppe gehörende Geistliche Scheich Siradscheddine Suraikat über Twitter mit. Die Brigaden drohten demnach mit weiteren Angriffen im Libanon, bis sich der Iran aus dem Bürgerkriegsland Syrien zurückziehe. Sie forderten zudem die Freilassung von im Libanon inhaftierten Mitstreitern.

Der amtierende libanesische Ministerpräsident Nadschib Mikait nannte den Angriff „einen feigen Terroranschlag“. Das Ziel des Anschlages sei es, die Situation im Libanon anzuheizen.

So war es auch kein Zufall, dass ausgerechnet die iranische Botschaft das Ziel der Attentäter war. Iran unterstützt die Schiitenmiliz Hisbollah, die wiederum auf der Seite von Präsident Baschar al-Assad tief in den syrischen Bürgerkrieg involviert ist. Öfter schon haben die Kämpfe zwischen sunnitisch-islamistischen Rebellen und schiitisch-gestützten Regierungstruppen in Syrien auf das fragile Nachbarland übergegriffen.

Am 15. August 2013 kamen bei der Explosion einer Autobombe in einer schiitischen Gegend im Süden von Beirut 27 Menschen ums Leben. Am 23. August forderten zwei Explosionen vor Moscheen im libanesischen Tripoli 40 Todesopfer, 400 Menschen wurden damals verletzt.

Der Chef der Hisbollah, Hassan Nasrallah, hatte damals sunnitische Islamisten beschuldigt, hinter den Anschlägen zu stehen. Einer anderen Theorie zufolge soll der Anschlag in Beirut in Wahrheit einem sunnitischen Geistlichen gegolten haben, der sich als entschiedener Gegner der Hisbollah positioniert hatte.

Der Doppelanschlag ereignete sich in einer südlichen Gegend der libanesischen Hauptstadt Beirut, die als Hochburg der Hisbollah gilt. Der Iran unterstützt sowohl die Kämpfer der Hisbollah als auch den syrischen Machthaber Assad.

Das schwarze große Eingangstor des Botschaftsgebäudes wurde komplett weggesprengt, auch das dreistöckige Gebäude selbst wurde bei dem Anschlag erheblich beschädigt, ebenso umstehende Häuser. Videoaufnahmen zeigen Trümmer, ein ausgebranntes Motorrad und brennende Autos.

Den Namen des getöteten Kulturattachés gab der Botschafter Ghasanfar Roknabadi mit Scheich Ibrahim Ansari an. Ansari war erst seit einem Monat im Libanon stationiert und dort für kulturelle Angelegenheiten zuständig, wie Roknabadi dem Hisbollah-Fernsehsender Al-Manar sagte.

Eine Sprecherin des iranischen Außenministeriums machte sogleich Israel für die aktuellen Anschläge verantwortlich. Die Außenamtssprecherin erklärte, der Anschlag sei „von Zionisten und ihren Söldnern“ verübt worden. Ein Vertrauter von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu wies die Anschuldigungen umgehend zurück. Israel habe mit den Anschlägen „nichts zu tun“, sagte der israelische Abgeordnete Zahi Hanegbi.

Vertreter der Hisbollah und syrische Beamte gaben hingegen indirekt Saudi-Arabien die Verantwortung für. das Bombenattentat auf die Botschaft. „Jeder der Terroranschläge im Libanon, in Syrien und im Irak stinkt nach Petrodollar“, hieß es in einer Erklärung der syrischen Regierung. Dies war ein deutlicher Verweis auf ölreiche Golfstaaten, ohne sie namentlich zu nennen. Die Golfstaaten haben in der Vergangenheit immer wieder auch syrische Rebellen unterstützt.

Der Hisbollah-Abgeordnete Ali Mikdad kündigte im Fernsehsender Al-Majadin Vergeltung an. „Wir sagen jenen, die diesen Angriff ausgeführt haben, dass ihr uns nicht brechen könnt“, sagte er. „Wir haben die Botschaft gehört und wir wissen, wer sie geschickt hat und wie wir zurückschlagen können.“

Im Süden Beiruts hat es bereits mehrere Anschläge gegeben. Bei einem Autobombenanschlag im August auf eine Hochburg der Hisbollah waren 27 Menschen getötet und mehr als 300 weitere verletzt worden.