Giftmord an Arafat?

Israel hält Theorie für „löchriger als ein Schweizer Käse“

Eidgenössische Experten haben in Gewebeproben des 2004 gestorbenen Palästinenserführer Jassir Arafat einen 18-mal höheren Wert von Polonium 210 als normal festgestellt.

Tel Aviv/Ramallah. Der frühere Palästinenserführer Jassir Arafat ist 2004 möglicherweise doch einem Giftmord zum Opfer gefallen. Darauf deuten die Untersuchungsergebnisse von Schweizer Experten hin, über die der TV-Sender al-Dschasira und die britische Zeitung „Guardian“ berichten. Gewebeproben Arafats hätten demnach 18-mal mehr Polonium 210 enthalten als normal. Schon ein Millionstel Gramm des radioaktiven Schwermetalls kann einen Menschen töten.

Arafats Witwe Suha sprach laut al-Dschasira von einem „Verbrechen des Jahrhunderts“. Die Palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah hatte am Dienstag bekräftigt, dass sie die Ergebnisse der Untersuchungen erst öffentlich machen werde, wenn alle drei Gutachten vorlägen.

Russische Experten hatten bereits erklärt, sie hätten keine Hinweise auf eine Polonium-Vergiftung Arafats finden können. Ein französisches Gutachten steht noch aus. Die drei Expertenteams hatten die Gewebeproben bei der Exhumierung von Arafats Leiche vor einem Jahr entnommen. Wer den im Alter von 75 Jahren gestorbenen Arafat vergiftet haben könnte, ist unklar. Israel hat Vorwürfe von palästinensischer Seite stets zurückgewiesen.

Und auch den Schweizer Untersuchungsbericht kritisiert Israel als unseriös. Der Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem, Jigal Palmor, sagte laut „Jerusalem Post“, die Experten hätten weder die früheren Arbeitsräume Arafats in Ramallah auf die radioaktive Substanz untersucht noch das französische Militärhospital, in dem Arafat 2004 im Alter von 75 Jahren gestorben war. „Alles ist sehr, sehr unklar“, sagte Palmor. „Klar ist nur, dass die Theorie (vom Giftmord) große Löcher aufweist, mehr Löcher als ein Schweizer Käse.“

Für viele Palästinenser steht außer Zweifel, dass nur Israel hinter der plötzlichen Erkrankung und dem schnellen Tod ihres Idols stecken könne.