Obama fünf Jahre nach seiner Wahl auf Tiefpunkt der Beliebtheit

US-Präsident hat Hoffnungen enttäuscht. Eine Zwischenbilanz

Washington. Die bewegenden Bilder gingen um die Welt. Im Grant Park in Chicago jubelten am 4. November 2008 kurz nach 23 Uhr Hunderttausende Amerikaner ihrem ersten schwarzen Präsidenten zu. In den USA, auch rund um den Globus lagen sich enthusiastische Anhänger vor Freude in den Armen. Barack Obama hatte es geschafft.

Genau fünf Jahre später löst sein weltberühmter Wahlkampfslogan „Hope and Change“ bei vielen ein gequältes Lächeln aus – wie die Erinnerung an eine Naivität aus der Jugend. Obwohl im vergangenen November mit deutlicher Mehrheit im Amt bestätigt, ist Obama mittlerweile auf dem Tiefpunkt seiner Beliebtheit angekommen.

Nur 42 Prozent der Wähler sind laut einer neuen Umfrage mit seiner Arbeit zufrieden. Nach dem Amtsantritt waren es 70 Prozent. Und auch persönlich steht er bei mehr Amerikanern in einem schlechten Licht da als in einem guten.

Innenpolitisch regiert der 44. US-Präsident ohne Fortüne, schlittert von Krise zu Krise. Reformen bei der Einwanderung, den Waffengesetzen oder im Steuersystem bekommt er nicht an der erbitterten Opposition im Kongress vorbei. Große Teile des Volkes zweifeln an seinen Macherqualitäten.

In der Außenpolitik ist es ähnlich. Völkerrechtlich fragwürdige Drohnenangriffe und uneingelöste Versprechen vom Klimaschutz bis zur Schließung des Gefangenenlagers Guantánamo hatten viele der himmelhohen Erwartungen bereits gedämpft. Aber die Enthüllung der NSA-Spionage, eine wankelmütige Syrien-Politik und Differenzen mit Partnern wie Israel, Saudi-Arabien oder der Türkei haben den Obama-Zauber fast gänzlich verfliegen lassen.

Kritikern gibt er damit Futter: „Die USA sind an ihrem schwächsten Punkt, und sie haben weniger Alliierte sowie einen geringeren militärischen und diplomatischen Einfluss als je zuvor seit dem Ersten Weltkrieg“, sagt der konservative Autor Dennis Prager. Egal, ob im Aus- oder Inland: „Fast alles, was er anfasste, wurde dadurch schlechter“, lautet Pragers Fazit der Obama-Jahre.

Doch es gibt eine treue Basis, die weiter zum Präsidenten steht und seine Erfolge hervorhebt; etwa, dass unter seiner Regierung das Land der schwersten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren entkommen sei. Die Arbeitslosenquote sinkt seit 2009 langsam, aber beständig. Zugleich halbierte sich das Staatsdefizit. Obama hat Topterroristen bis hin zu Osama Bin Laden ausschalten lassen. Die Banken legte er mit einer Finanzreform etwas enger an die Kette, und mit Russland schloss er einen neuen Startabrüstungsvertrag.

Der Krieg im Irak ist beendet, der in Afghanistan läuft aus. Das Kernstück seiner ersten Amtszeit, die Gesundheitsreform, gilt laut Experten als das wichtigste US-Sozialgesetz seit Jahrzehnten. Und unter Obamas Ägide erlauben immer mehr Bundesstaaten die Homoehe, legalisieren Marihuana, verbessern den Umwelt- und Verbraucherschutz sowie mehr Gleichberechtigung für Frauen. Und im Vergleich zu Umfragewerten seines Vorgängers George W. Bush steht Obama immer noch gut da.