Erste Anzeichen in Ägypten für Entspannung der Krise

Kairo. Im erbitterten Streit zwischen dem Militär und den Islamisten in Ägypten gibt es erstmals Anzeichen für eine Entspannung der explosiven Lage. Im Kern der Auseinandersetzung geht es um eine Auflösung der Protestcamps der islamistischen Muslimbruderschaft in Kairo. Der ägyptische Verteidigungsminister General Abdel Fattah al-Sisi, derzeit der eigentlich starke Mann im Land, ließ durch einen Sprecher am Sonntag erklären: „Es besteht noch die Chance auf eine friedliche Lösung, vorausgesetzt, dass Gewalt vermieden wird.“

Bis vor Kurzem schien es noch, dass die Behörden die Protestlager der Anhänger des am 3. Juli gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi mit Polizeigewalt räumen würden. Die meisten westlichen Regierungen befürchteten ein neues Blutvergießen und rieten von einer gewaltsamen Beendigung der Proteste ab. Mit dieser Botschaft war auch der US-Vizeaußenminister William Burns am Freitagabend in Kairo eingetroffen. Nach Gesprächen mit allen Seiten, darunter auch Vertretern der Muslimbruderschaft, aus deren Reihen Mursi kommt, wollte Burns am Sonntag auch al-Sisi treffen. Am selben Tag traf der Außenminister von Katar, Chalid al-Atija, in Kairo ein. Das Golfemirat pflegt ausgezeichnete Beziehungen zur Muslimbruderschaft. Seit der Absetzung Mursis am 3. Juli durch das Militär gehen dessen Anhänger auf die Straße. Auch am Sonntag demonstrierten Tausende Islamisten, wobei sie auch Straßen blockierten, die zum internationalen Flughafen von Kairo führen. Reisende, die deshalb zu spät kamen, konnten unbürokratisch umbuchen, hieß es vonseiten der betroffenen Fluggesellschaften. Mursi-Anhänger harren darüber hinaus in zwei Protestcamps in Kairo aus. Eines befindet sich vor einer Moschee im Außenbezirk Nasr City, das andere vor der Universität Kairo im Stadtteil Giza. Die Teilnehmer der Proteste wollen so lange bleiben, bis der Ex-Präsident wieder im Amt ist.

Al-Sisi traf mit vier islamistischen Geistlichen zusammen, die nicht selbst der Muslimbruderschaft angehören, aber eine Vermittlerrolle spielen dürften. Der prominenteste von ihnen, der salafistische Prediger Mohammed Hassan, sagte: „Al-Sisi sagte uns bei dem Treffen zu, dass die Dauerproteste nicht mit Gewalt aufgelöst würden, aber er verlangte auch, dass die Demonstranten friedlich bleiben und keine anderen Plätze besetzen.“