Geheimdienste versagten vor Boston-Anschlag

Lange vor dem Attentat hatten FBI und CIA den Verdächtigen Zarnajew im Visier

Washington. Neue Details aus den Ermittlungen zum Bombenanschlag auf den Boston-Marathon werfen nach US-Medienberichten kein gutes Licht auf die amerikanischen Geheimdienste. Nicht nur die US-Bundespolizei FBI soll den getöteten mutmaßlichen Attentäter Tamerlan Tsarnaev bereits lange vor dem Anschlag im Visier gehabt haben, sondern auch der US-Geheimdienst CIA, berichtete die „New York Times“. Demnach hatte die CIA nach einer Anfrage russischer Behörden bereits 2011 ein Auge auf Tsarnaev geworfen. Russland hätte befürchtet, dass es sich bei Tsarnaev um einen zunehmend radikalisierten Islamisten handle. Doch wie bereits das FBI sei auch die CIA zum Schluss gekommen, dass er keine Verbindungen zu terroristischen Gruppen habe.

Dennoch sei Tsarnaevs Name auf zwei US-Terrorlisten gekommen, die dazu dienten, die Regierung bei Auslandsreisen zu alarmieren, hieß es. Wie sich mittlerweile zeige, hätten russische und amerikanische Geheimdienste mindestens viermal Kontakt wegen Tsarnaev aufgenommen, bevor dieser für sechs Monate nach Russland gereist sei. Nach seiner Rückkehr in die USA sei aber nicht weiter ermittelt worden. Als Vorsichtsmaßnahme hatte die CIA Tsarnaev in die Datenbank TIDE einfügen lassen, aus der andere Terrorlisten der Regierung gespeist werden. Auch das FBI seien informiert worden. Das System schlug jedoch nicht Alarm, als Tsarnaev im Januar 2012 nach Dagestan und Tschetschenien reiste. Grund war laut Zeitungsbericht die fehlerhafte Schreibweise seines Namens und die falschen Geburtsdaten, die von den Russen vorgegeben und von den Amerikanern entsprechend verwendet worden waren.