Syriens blutigster Tag: 376 Tote - und eine ratlose Uno

Damaskus/Genf. Noch nie seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad sind in Syrien so viele Menschen an einem Tag getötet worden. Binnen 24 Stunden starben nach Angaben von Aktivisten 376 Menschen, darunter 49 Soldaten der Regierungstruppen. Die wachsende Brutalität in dem seit März 2011 andauernden Konflikt dürfte nach Schätzungen der Vereinten Nationen bald noch mehr Menschen zu Flüchtlingen machen.

Die Zahl der Syrien-Flüchtlinge könnte bis Ende dieses Jahres auf 700 000 ansteigen, warnte der Syrien-Koordinator des Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Panos Moumtzis, in Genf. Er sagte, sollte sich die Zahl der Bürgerkriegsflüchtlinge wie erwartet in den kommenden drei Monaten mehr als verdoppeln, so werde dieser Ansturm von Menschen die Nachbarländer überfordern. Hier sei die Solidarität der internationalen Gemeinschaft gefordert.

Bislang sind nach Uno-Angaben 294 000 Syrer aus ihrem Heimatland geflohen, vor allem nach Jordanien, Libanon, in den Irak und in die Türkei. In dieser Zahl sind alle Syrer, die das Land legal verlassen haben und vorübergehend bei Verwandten oder in selbst angemieteten Wohnungen untergekommen sind, nicht enthalten.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte den Uno-Sicherheitsrat am Mittwoch zu einer "gemeinsamen Antwort" aufgerufen, damit die Gewalt in Syrien beendet wird. Er forderte die Staatengemeinschaft auf, einen "Prozess des politischen Übergangs" auf den Weg zu bringen.

Allerdings sind die Aussichten dafür angesichts der politischen Lähmung der Weltorganisation weiterhin gering. Denn ein härteres Vorgehen gegen Assad wird immer noch von den Veto-Mächten Russland und China verhindert. Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte, eine nachhaltige Befriedung könne nur durch Verhandlungen erreicht werden.