USA: Republikanische Schlammschlacht

Empörung über McCains Wahlkampfanrufe

Senatoren beider Parteien haben die auf Anschuldigungen basierende Wahlkampftaktik des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain scharf kritisiert.

Las Vegas. Die automatisierten Anrufe, in denen McCain Barack Obama erneut die Nähe zu einem Exterroristen vorwirft, sollten eingestellt werden, forderten die republikanische Senatorin Susan Collins aus dem US-Staat Maine und ihr demokratischer Kollege aus Nevada, Harry Reid, unabhängig voneinander.

"Senator Collins fordert McCain zur sofortigen Einstellung dieser Anrufe auf", erklärte ihr Sprecher Kevin Kelley. Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Reid, zeigte sich auf einer Pressekonferenz in Las Vegas überrascht von der "schmierigen" Taktik der republikanischen Kampagne. Er könne nicht glauben, dass McCain von diesen Dingen wisse. In Nevada war Wählern auch ein mehrseitiges Faltblatt mit den Anschuldigungen zugeschickt worden. McCain ließ die automatisierten Anrufe ("Robo Calls") seit Freitag in mehreren US-Staaten schalten.

In den automatisierten Anrufen verkündet McCains Stimme den Wählern: "Barack Obama hat eng mit dem US-Terroristen Bill Ayers zusammengearbeitet, dessen Organisation am Kapitol, am Pentagon sowie am Haus eines Richters Bomben gelegt und Menschen getötet hat." Doch der Vorwurf ist faktisch irreführend: Die Anschläge von vor über 35 Jahren töteten niemanden und Ayers' damalige Gruppe hat sich nie zu dem Anschlag auf das Haus des Richters bekannt.

Obama hat die früheren radikalen Ansichten und Taten des heutigen Universitätsprofessors Ayers verurteilt. Sie trugen sich zu, als der demokratische Präsidentschaftskandidat noch ein Kind war. Ayers lebt inzwischen im gleichem Chicagoer Stadtviertel wie Obama. Beide Männer haben sich vor mehreren Jahren für die gleiche Wohltätigkeitsorganisation engagiert.