Athen verschärft wegen Syrien-Krieg Grenzkontrollen

Hilfsorganisationen warnen: Immer weniger Zufluchtsorte bleiben den Menschen

Athen. Aus Angst vor einer Flüchtlingswelle aus Syrien lässt Griechenland die Außengrenze der Europäischen Union zur Türkei noch schärfer bewachen. 1800 Grenzpolizisten würden zusätzlich an die Grenze geschickt, sagte Justizminister Nikolaos Dendias gestern nach einem Treffen mit dem griechischen Regierungschef Antonis Samaras. Auf dem Grenzfluss Evros würden weitere Patrouillenboote eingesetzt. Über die griechisch-türkische Grenze gelangen Hunderttausende Flüchtlinge aus Asien und Afrika illegal in die EU. Seit einigen Monaten patrouillieren an der Grenze neben griechischen Beamten auch Dutzende Mitarbeiter der EU-Grenzagentur Frontex.

In der vergangenen Woche hatte Dendias angekündigt, dass sein Land trotz internationaler Kritik am Bau eines knapp elf Kilometer langen Grenzzauns zur Türkei festhalte. Er soll Anfang Oktober fertig sein.

Nach den heftigen Kämpfen in Syrien schlagen Hilfswerke Alarm: Die Lage Flüchtlinge wird immer prekärer. In dem Land selbst gebe es nach dem Übergreifen des Bürgerkrieges auf die Hauptstadt Damaskus und Aleppo immer weniger sichere Zufluchtsorte, erklärte Caritas International in Freiburg. Gleichzeitig seien die Nachbarländer Jordanien und Libanon mit dem stetig ansteigenden Flüchtlingsstrom überfordert. Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters, sagte, dass die Gefahr für die Menschen stetig wachse. Aber auch die Helfer gingen ein hohes Risiko ein. Zudem werde das humanitäre Völkerrecht missachtet, die Hilfswerke könnten die Bedürftigen oft nicht erreichen. Rund um Damaskus wurden in den vergangenen Tagen laut Seiters 60 Schulen zu Notunterkünften für Familien umfunktioniert, wo in kurzer Zeit knapp 12 000 Menschen Zuflucht fanden.

Nach Angaben der Vereinten Nationen flohen in den vergangenen zwei Tagen alleine aus der umkämpften Stadt Aleppo etwa 200 000 Menschen. Viele Zivilisten seien in umkämpften Teilen der Wirtschaftsmetropole im Nordwesten des Landes eingeschlossen.

Syriens Herrscher Baschar al-Assad versucht seit März 2011 einen Volksaufstand gewaltsam zu ersticken. Die Revolte gegen das Assad-Regime eskalierte in einen Bürgerkrieg. Nach Schätzungen der Uno starben bislang mehr als 17 000 Menschen. Hilfsorganisationen zeigen sich zudem besorgt über den Einsatz von Panzern und anderen schweren Waffen durch regierungstreue Truppen gegen die Opposition und Wohnviertel.

Doch nicht nur internationale Organisationen kritisieren Assad. Der ranghöchste syrische Diplomat in London hat seinem Präsidenten den Rücken gekehrt, teilte das britische Außenministerium mit. Der Geschäftsträger Chaled al-Adschubi habe erklärt, nicht länger ein Regime repräsentieren zu wollen, das gewaltsame Akte gegen sein eigenes Volk verübe. Aus Protest hatten sich in den vergangenen Monaten bereits mehrere Diplomaten und hohe Offiziere von Assad losgesagt. Gestern waren laut Angaben der Türkei erneut zwölf Offiziere desertiert und in das Nachbarland geflohen.