Aleppo in Syrien

Assad-Truppen melden Erfolge - Rebellen dementieren

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abendblatt.de

Rund 200.000 Menschen sind in den vergangenen Tagen vor den brutalen Kämpfen in der nordsyrischen Wirtschaftsmetropole geflohen.

Damaskus/Beirut. Der Angriff von Assads Truppen auf Aleppo geht unvermindert weiter. Den dritten Tag in Folge wurden Stellungen der Aufständischen in der nordsyrischen Metropole angegriffen. Die Stadtbezirke Salaheddin und Al-Sukkari wurden bombardiert, in Salaheddin, Al-Issa und Athamija tobten darüber hinaus heftige Kämpfe am Boden, wie die Syrischen Menschenrechtsbeobachter in London mitteilten. Allerdings kursierten widersprüchliche Berichte über erste mögliche Erfolge der Regimetruppen im südwestlichen Salaheddin, eine Hochburg der Rebellen.

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„Salaheddin wurde vollständig zurückgewonnen“, zitierte das staatliche syrische Fernsehen einen hochrangigen Militär. Die Aufständischen bestritten dies vehement. „Die Behauptung entbehrt jeder Grundlage“, sagte der örtliche Rebellenkommandeur Abu Omar al-Halebi. Die Regimetruppen hätten erneut versucht, Salaheddin mit Panzern anzugreifen, seien aber zurückgeschlagen worden. Panzer befänden sich allerdings im nahegelegenen Bezirk Hamdanija.

Das Militär von Präsident Baschar al-Assad hatte am Sonnabend eine Großoffensive gegen die Stellungen der Aufständischen in Aleppo gestartet. Die Kontrolle über die Handels- und Geschäftsmetropole, die nur 50 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt liegt, gilt als entscheidend für die Erfolgsaussichten der Revolte gegen das Assad-Regime, die seit 16 Monaten anhält.

Die schweren Kämpfe lösten eine massive Flüchtlingswelle aus. Rund 200.000 Menschen sind nach Schätzungen von Rotem Kreuz und Rotem Halbmond in den vergangenen Tagen aus Aleppo geflohen. Aber noch viele der knapp zwei Millionen Einwohner dürften sich in der Stadt aufhalten. „Niemand weiß, wie viele Menschen an Orten gefangen sind, an denen die Kämpfe weitergehen“, erklärte die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos am Sonntag (Ortszeit) in New York. Sie forderte die Truppen des Assad-Regimes und die Aufständischen auf, Zivilisten zu verschonen und Helfern sicheren Zugang zu gewähren. Die Flüchtlinge seien dringend auf Lebensmittel und Trinkwasser angewiesen, betonte die Nothilfebeauftragte.

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Amos sei „äußerst besorgt über die Folgen von Beschuss und des Einsatzes von Panzern und anderer schwerer Waffen“ nicht nur für die Menschen in Aleppo, sondern auch in der Hauptstadt Damaskus und umliegenden Ortschaften, erklärte Amos.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta sieht in der aktuellen Offensive gegen Aleppo den Anfang vom Ende des Regimes von Präsident Assad. Wenn die Angriffe mit Kampfhubschraubern und anderen schweren Waffen auf die eigene Bevölkerung fortgesetzt werden, werde sich dies als „Nagel im Sarg Assads erweisen“, sagte Panetta am Sonntag zum Beginn einer Nahostreise.

Bei den bevorstehenden Gesprächen in Tunesien, Ägypten, Israel und Jordanien werde er für einen Konsens darüber werben, dass der syrische Machthaber zurücktreten müsse und ein Übergang zur Demokratie in dem Land einzuleiten sei, sagte Panetta weiter. Er werde auch seine Konsultationen darüber fortsetzen, dass die syrischen Chemiewaffen nicht in die falschen Hände fallen.

Mit Material von dpa/dapd

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