Papst-Titel verboten

Fanta satt: "Titanic" schlägt mit neuem Papst-Bild zurück

| Lesedauer: 4 Minuten
Sandra Trauner

Satire-Magazin freut sich über das Verbot und hat schon ein neues Bild gefunden. Jetzt wird auch der BPFE gesucht: "Best Pope Friend Ever".

Hamburg/Frankfurt/Postdam. Ob das aktuelle Titelbild des Satire-Magazins "Titanic" jemals so viel Aufmerksamkeit bekommen hätte, wenn der Papst es nicht gerichtlich verboten hätte? Wohl kaum. Benedikt XVI.wird dort von vorne und hinten befleckt gezeigt, mit der Zeile "Undichte Stelle im Vatikan gefunden". Für das Magazin war es natürlich ein Gewinn, versucht es doch immer, mit möglichst geschmacklosen Witzen Aufmerksamkeit zu erregen. Dennoch könnte es teuer werden für Chefredakteur Leo Fischer. Erst einmal jedoch werde der Erfolg gefeiert, es werde frohlockt und die Korken knallen.

Auf der Internetseite des Magazins wurde das Titelbild nun folgendermaßen geändert: Unter der Zeile "Titanic verboten, der Papst im Freudenrausch", wird Benedikt XVI. gezeigt, wie er zwei überschwappende Fanta-Flaschen in den Händen hält. Angespielt wird damit auf die offizielle Interpretation, die das Satiremagazin vom Bild des befleckten Papstes verbreitet hat. Das Kirchenoberhaupt habe sich so sehr gefreut, dass die undichte Stelle gefunden sei, über die Informationen aus dem Vatikan an die Medien drangen, dass er im Überschwang ein Glas Fanta auf seine Soutane gegossen habe. Dass er ein bekennender Fan des Erfrischungsgetränks sei, sei ja bekannt, so das Magazin weiter.

Außerdem sucht die "Titanic" für den Papst nun neue Freunde, da er sehr einsam sei. Schließlich habe ihn sein Kammerdiener verraten und die Kardinäle tuschelten über ihn. Mit einem Freundecasting sucht das Magazin nun BPFE, den Best Pope Friend Ever. "Wie würdest du dich verhalten, wenn der Papst dein Freund wäre? Finde es raus – und schicke deine Freundschaftsbewerbung direkt an den Vatikan", ist auf der Internetseite zu lesen.

Das sagt der Ober-"Titanic"-Chefredakteur Leo Fischer im Interview:

Wie haben Sie auf das Verbot Ihres Juli-Titels reagiert?

Leo Fischer: „Es ist ja nicht alltäglich, dass einem ein Papst schreibt, deswegen haben wir das tatsächlich gefeiert. Wir haben hier Sekt getrunken, ein kleines katholisches Gläschen. Ich bin ja selber Katholik und habe mich sehr gefreut, von meinem Kirchenoberhaupt auf diese Weise persönliche Anerkennung zu erfahren.“

Gab es in der Redaktion eine Diskussion um dieses Titelbild?

Fischer: „Nein. Das war eine Idee unseres Autoren Oliver Maria Schmitt und wir waren uns eigentlich alle einig: Das ist der Titel. Redaktionell war das unstrittig.“

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Halten Sie die Kirche für humorlos?

Fischer: „Die Kirche ist eine sehr humorvolle und witzige Organisation. Sie hat sich in ihrer jahrtausendelangen Geschichte immer wieder riesige Späße erlaubt: grotesk kostümierte Zauberer, verrückte Architektur, wahnsinnige Bannsprüche gegen Wissenschaftler und Aufklärer... Die Kirche ist immer wieder für einen Lacher gut.“

Was sagen Sie den Lesern, die finden, der Scherz mit der „undichten Stelle“ im Vatikan gehe zu weit?

Fischer: „Sie verstehen das Titelbild falsch. Wir haben ja eine offizielle Interpretation vorgelegt: Der Titel zeigt den Papst, wie er nach der Aufklärung der Spitzelaffäre feiert und im Überschwang ein Glas Limonade über seine Soutane verschüttet. Wir hoffen, dass der Papst diese Interpretation anerkennt und dadurch in den Stand einer katholischen Lehrmeinung erhebt.“

Sie haben den Papst zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Wie würde wohl das Gespräch verlaufen, wenn er tatsächlich käme?

Fischer: „Wir stammen ja aus der gleichen Heimatgemeinde, der Papst und ich – aus Pentling bei Regensburg. Wir hatten sogar den selben Ortspfarrer, der auch mein Religionslehrer war. Wir sind also quasi seelenverwandt. Wenn er hier vorbeikommt, haben wir ganz schnell eine gemeinsame Ebene – und gemeinsame Bekannte.“ (dpa)

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