Wladimir Tschurow - Wahlleiter im Auftrag des Kremls

Moskau. Eine der zentralen Forderungen der Bürgerproteste in Russland ist die Entlassung von Wladimir Tschurow. Der im Jahr 2007 vom Kreml eingesetzte Chef der russischen Wahlkommission gilt der Opposition als der oberste Wahlfälscher des Landes. Kremlchef Dmitri Medwedew bezeichnete ihn hingegen angesichts des Sieges der Regierungspartei Einiges Russland bei der Parlamentswahl als "Zauberer".

Der 58 Jahre alte Tschurow gehört wie Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin zum sogenanntenSt. Petersburger Clan in der russischen Politik. Und jede Kritik prallt an dem Hobbyfotografen mit einer Vorliebe für Panzeraufnahmen ab.

Ob im Streit mit westlichen Wahlbeobachtern oder bei Kritik von Menschenrechtlern an den "Pseudowahlen", Tschurow ist stets auf Kreml-Linie. "Das russische Wahlsystem ist das beste der ganzen Welt", behauptet der Herr über die Wahlergebnisse. Dabei hat er sein Amt auch schon selbst zur Wahlwerbung genutzt. "Putin hat immer recht", sagte er einmal.

Gegner halten Tschurow vor, "leicht manipulierbar" zu sein. Immer wieder gab es Zweifel an der Eignung des früheren Duma-Abgeordneten, der zu Sowjetzeiten in Leningrad (St. Petersburg) Physik und Journalistik studiert hatte. Auf kritische Fragen von Journalisten antwortet Tschurow am liebsten schon, bevor diese zu Ende formuliert sind. Sobald er in Rente gehe, kündigte er einst an, wolle er wieder schreiben - ein russisches Wahlmärchen für Kinder.