Nach Rücktritt von Ministerin bildet Sarkozy Kabinett um

Paris. Ein Vierteljahr nach seiner letzten Regierungsumbildung hat Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sein Kabinett wieder neu formiert. Er begründete den Schritt gestern mit den neuen Herausforderungen und absehbaren Konsequenzen der politischen Umwälzungen in Nordafrika. Gerade auch mit Blick auf einen zu erwartenden Flüchtlingsansturm seien erfahrene Politiker in den Schlüsselressorts nötig. Sarkozy warb zugleich für Unterstützung des Umbruchs in Nordafrika, der eine historische Chance darstelle.

Die durch eine Affäre belastete Außenministerin Michèle Alliot-Marie, die erst rund 100 Tage im Amt war, wurde durch den bisherigen Verteidigungsminister Alain Juppé ersetzt. Dessen Nachfolger wird der bisherige Fraktionschef der Regierungspartei UMP im Senat, Gérard Longuet. Sarkozys bisheriger Generalsekretär Claude Guéant, wurde zum neuen Innenminister bestimmt, der Brice Hortefeux ablöst. Guéant war zuletzt Generalsekretär des Präsidenten im Élysée-Palast. Außenministerin Alliot-Marie war zuletzt immer mehr unter Druck geraten, weil sie zu Beginn der Revolution in Tunesien Urlaub machte und sich von einem Geschäftsmann freihalten ließ, der dem Clan des bald darauf gestürzten Diktators Zine al-Abidine Ben Ali nahestand. So flog sie in dessen Privatjet. Zudem bot sie der bedrängten tunesischen Führung damals Polizeihilfe an.

In seiner Ansprache verteidigte Sarkozy die Reaktion seiner Regierung auf die Unruhen in Nordafrika. "Diese arabischen Revolutionen eröffnen eine neue Ära in unseren Beziehungen zu diesen Ländern, mit denen wir historisch und geografisch so eng verbunden sind", sagte der Präsident. Es sei ein historischer Wandel, vor dem man keine Angst haben müsse. Beobachter sehen in der Kabinettsumbildung auch den Versuch Sarkozys, ein Jahr vor der nächsten Präsidentenwahl in Frankreich aus seinem chronischen Popularitätstief herauszukommen.