Spendenkonto von WikiLeaks gesperrt

Schweizer Bank will Geschäftsbeziehungen prüfen. Schweden besteht auf Auslieferung des Gründers Julian Assange

Berlin. Das Enthüllungsportal WikiLeaks und sein Gründer Julian Assange geraten nach der Veröffentlichung diplomatischer Depeschen der USA immer mehr unter Druck. Nachdem das Portal seine angestammte Web-Adresse wikileaks.org verlor, sperrte nun der Bezahldienst Paypal ein Konto der Internet-Aktivisten, über das Spenden abgewickelt wurden. Auch die Schweizer Bank Postfinance will die Geschäftsbeziehungen überprüfen, wie ein Sprecher ankündigte.

Spenden zur Unterstützung von WikiLeaks sind inzwischen bei Paypal unmöglich. Wegen "Verletzung der Nutzungsbedingungen" sei das WikiLeaks-Konto dauerhaft gesperrt worden, teilte die Tochter der Handelsplattform Ebay auf ihrer Blogseite "thepaypalblog.com" mit. Paypal schließt die Benutzung seiner Dienste aus, wenn dadurch "illegale Aktivitäten" gefördert werden.

Bei der Schweizer Post-Tochter Postfinance hat Assange nach einem Bericht der "Zürcher Zeitung am Sonntag" ein Spendenkonto für den "Julian Assange Defence Fund" eingerichtet. Aus diesem Topf werden "Verteidigungs-Kosten" bestritten, wie es auf der Internetseite der Organisation heißt.

"Gegenwärtig überprüfen wir die Geschäftsbeziehung mit Julian Assange", sagte Banksprecher Marc Andrey der Zeitung. Die Bank kläre derzeit, ob der Australier Assange tatsächlich wie bei Kontoeröffnung angegeben einen Wohnsitz in Genf hat. Ein ausländischer Inhaber eines Postfinance-Kontos muss laut Andrey einen Wohnsitz in der Schweiz oder im nahen Ausland haben oder über Beziehungen zur Schweiz verfügen, sei es über ein Geschäft oder eine Immobilie.

Nach Angaben des WikiLeaks-Gründers braucht die Plattform pro Jahr mindestens 200 000 Dollar Spenden, um den Betrieb aufrechtzuerhalten - besser noch 600 000 Dollar. Auch die Stiftung darf Paypal nun nicht mehr nutzen, wie sie auf ihrer Internetseite mitteilt. Nach Informationen des Magazins "Focus" waren in kürzester Zeit nach Veröffentlichung der US-Diplomatendossiers 15 000 Euro von Sympathisanten aus aller Welt bei der Stiftung eingegangen.

Nach der Blockade der Internet-Adresse von WikiLeaks richteten Unterstützer des Projekts rund 70 andere Adressen ein. Mit solchen "Mirrors" (Spiegelungen) der Website an unterschiedlichen Orten werde es unmöglich, WikiLeaks völlig aus dem Internet zu verbannen, erklärten die Betreiber.

Schweden beharrt unterdessen auf der Auslieferung Assanges, der wegen Vergewaltigungsverdachts international gesucht wird und in Großbritannien untergetaucht ist. Und auch in seiner Heimat Australien ermittelt die Polizei. Der 39-Jährige hatte nach der Veröffentlichung Hunderttausender geheimer Dokumente aus US- Botschaften durch WikiLeaks die Befürchtung geäußert, dass ihm Geheimdienste nach dem Leben trachten könnten.