Pakistan kappt Nachschublinie der Nato für Afghanistan-Truppen

Islamabad empört über Hubschrauberangriffe auf Grenzposten

Hamburg/Islamabad. Nach einem schweren Grenzzwischenfall mit drei Toten hat die pakistanische Regierung die wichtigste Nachschublinie der Nato für die Einsätze in Afghanistan blockiert. Die paramilitärischen Grenztruppen am Übergang Torkham nördlich von Peshawar bekamen Anweisungen, sämtliche Nato-Lieferungen zu stoppen. Vorangegangen war ein Angriff von Kampfhubschraubern der Nato auf einen anderen Grenzübergang in der Region Kurram, die in den berüchtigten, teilweise von den Taliban und al-Qaida kontrollierten Stammesterritorien liegt. Am frühen Donnerstag hatten die Helikopter bei Mandati Kandaw einen Militärposten unter Feuer genommen. Drei Angehörige der paramilitärischen Grenztruppen wurden dabei getötet, drei weitere verletzt. Ein zweiter Grenzposten bei Kharlachi wurde wenige Stunden später ebenfalls von der Nato beschossen.

Die Nato-geführte Truppe Isaf erklärte, die Hubschrauberbesatzung habe in Notwehr gehandelt, nachdem sie beschossen worden sei, sicherte aber eine Untersuchung des Vorfalls zu, der die Spannungen zwischen der westlichen Allianz und der pakistanischen Regierung weiter verschärft hat.

Da die pakistanischen Stammesterritorien Rückzugs- und Trainingsgebiet für Taliban und Al-Qaida-Terroristen sind, sieht die neue amerikanische Strategie vor, den Gegner dort mit Luftangriffen und Einsätzen von Spezialeinheiten zu bekämpfen. Doch dabei kommen immer wieder Unbeteiligte ums Leben. Die pakistanische Regierung macht ihre territoriale Souveränität geltend und hat die Nato aufgefordert, auf derartige Einsätze zu verzichten. "Dies ist die zweite Grenzverletzung dieser Art in weniger als einer Woche", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Islamabad. "Sie markiert eine ernsthafte Verletzung einer roten Linie, die Pakistan gezogen hat. Dieses Benehmen können wir nicht tolerieren." Pakistan kritisiert vor allem den Einsatz von Kampfdrohnen des US-Geheimdiensts CIA. Dessen Chef Leon Panetta flog nach Islamabad, um mit der Führung über eine Beilegung der Spannungen zu reden. Bereits am Wochenende hatte Pakistan mit "Gegenmaßnahmen" gedroht. Die Nato wiederum warf Pakistan vor, nicht hart genug gegen Militante vorzugehen.